Es ist ein verzweifeltes Tun die Verzweiflung herunterzumachen,
denn die Verzweiflung macht unser Leben zu dem was es ist.
Sie denkt das aus, vor dem wir Ausflüchte suchen.
Sie steht dem ins Gesicht, vor dem wir die Augen verschliessen.

Keiner der weniger oberflächlich wäre als sie,
keiner der bessere Argumente hätte als sie.
Keiner der in Erwägung all dessen was sie und wir wissen,
mehr Recht darauf hätte als sie, so zu sein wie sie ist.

Früh am Morgen fühlt sie sich fast noch glücklich,
erst langsam erkennt sie sich selbst. Nach den ersten Worten
die sie mit irgendwem wechselt, beginnt sie zu wissen:
sie ist nicht froh, sie ist noch immer sie selbst.

Die Verzweiflung ist nicht frei von Launen und Schwächen,
ob ihr Witz eine Stärke oder eine Schwäche ist, weiss sie selbst nicht.
Sie kann zornig sein, sie kann bissig und ungerecht sein,
sie kann zu besorgt sein um ihre eigene Würde.

Aber ohne den Mut zur Verzweiflung,
wäre vielleicht noch weniger Würde zu finden,
noch weniger Ehrlichkeit,
noch weniger Stolz der Ohnmacht gegen die Macht.
Es ist ungerecht die Verzweiflung zu verdammen,
ohne Verzweiflung müssten wir alle verzweifeln.

Erich Fried

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