Es hängt viel von der Forschung ab, nicht zuletzt viele persönliche, oftmals dramatische Schicksale. Geforscht wird in alle erdenklichen Richtungen, ob es um Ursachenforschung geht, oder darum, den Erkrankten das Leben zu erleichtern. Im Augenblick geht es in den Therapien um Symptombekämpfung, aber ohne die Ursache der MS zu kennen, kann man an der Erkrankung schließlich auch grundsätzlich nichts machen. Die Entwicklung und der Verlauf der Krankheit werden zwar immer besser verstanden, die eigentlichen Auslöser sind aber nach wie vor ungeklärt. Die Zukunft soll anders aussehen, Fachleute reden von einem Zeitraum innerhalb der nächsten 10 Jahre, in dem ein größerer Durchbruch passieren kann. Tatsache ist, noch nie ist so viel in diesem Sektor geforscht worden, wie im letzten Jahrzehnt - und in Zukunft soll das noch zunehmen.
Die Wissenschaftler gehen dabei oft neue Wege. Ziel der Aktivitäten ist eine starke Verminderung im Fortschreiten der Erkrankung und in einigen Fällen wird versucht, vorhandene Schäden zu reparieren. Ob diese Versuche letztendlich erfolgreich sein werden ist fraglich. Grundsätzlich versucht man in der Forschung, diejenigen Gene zu erfassen, die die Gefahr einer MS-Erkrankung erhöhen oder auslösen, so wie den Krankheitsverlauf beeinflussen. Zum anderen ist es wichtig zu erkennen, ob hinter der MS-Erkrankung verschiedene Gründe für Schäden oder Störungen des Nervensystems stehen. Es bestehen viele Hinweise darauf, dass die MS bei den Erkrankten unterschiedlich abläuft. Sollte das zutreffen, ergibt sich eine Möglichkeit für neue Diagnoseverfahren, die bei jedem Einzelnen MS-Erkrankten "seine" Multiple Sklerose diagnostizieren und speziell behandeln könnte. Dann ist es zwar immer noch "Die Krankheit mit den 1000 Gesichtern", aber die Gesichter könnten einzeln betrachtet werden.
Wenn man dann allerdings den langen Weg zur Zulassung eines Verfahrens oder Medikaments betrachtet, gilt im wahrsten Sinne des Wortes wirklich der Begriff "Zukunft". Es dauert sehr lange, bis mögliche MS-Therapien durchdiskutiert sind, oder die klinische Entwicklung eines Medikaments abgeschlossen und eine Substanz bis zur "Marktreife" gelangt. Dabei fallen einige mangels Wirksamkeit heraus, oder auf Grund von gravierenden Nebenwirkungen, vorstellbar auch: weggebissen von den "Großen-Verdienern" der Pharmabranche - und kommen nie zur Anwendung, bzw. auf den Markt. Und nicht zuletzt, muss dieses Medikament eine Indikation für die MS bekommen, damit die Kosten von der Krankenkasse getragen werden.
Möglicherweise ist die MS-Erkrankung ja gar nicht so kompliziert, vielleicht wird sie nur von der Wissenschaft zu hoch angesetzt? So kann man nur hoffen, dass mal eine zufällige Entdeckung "passiert", warum nicht zumindest darauf hoffen? Hier wird aber von tatsächlichen Ansätzen berichtet, allerdings nur die Bekannteren, sicherlich gibt es mehr. Es ist nicht streng wissenschaftlich, sollte daher bei Interesse, innerhalb anderer Quellen vertieft werden.
Naltrexone (LDN)
Naltrexone ist ein Opiat-Antagonist (Widersacher). Es wird sowohl in den USA als auch in Deutschland (Nemexin), im Rahmen einer medikamentengestützten Abstinenztherapie (Behandlung von Suchterkrankungen) verwendet. In bedeutend geringeren Dosierungen als für diesen Zweck, wurde der Wirkstoff als so genanntes "Low Dose Naltrexone" (LDN) empfohlen, als Behandlungsoption für eine Vielzahl von Autoimmunerkrankungen, so auch für Multiple Sklerose. Es soll keine Heilung der MS bringen, sondern vor allem symptomatische Verbesserungen (Spastik, Fatigue, Blase, Beweglichkeit, Schlaf, Schmerz, Tremor u. a. Symptome) Es soll die Schubfrequenz beeinflussen und auch die Progredienz verlangsamen, wäre also eine Alternative zu den Bekannten, zugelassenen Medikamenten. Naltrexone stärkt, bzw. regt das Immunsystem an, allerdings ist die MS bekanntlich eine Autoimmunkrankheit, bei der das Immunsystem irrtümlicherweise das Myelin im Zentralnervensystem angreift, also das Immunsystem "stark" ist. Normalerweise versuchen Therapien gegen Multiple Sklerose das "überstarke" Immunsystem abschwächen, anstatt es weiter anzuregen. Es gibt keinerlei Veröffentlichungen zu klinischen Studien zum Nachweis von Sicherheit und Wirksamkeit von Naltrexone bei Multipler Sklerose. Die teilweise offensive Vermarktung des Medikaments, bezieht sich lediglich auf Berichte einzelner Personen.
Chemokine
Chemokine sind eine Untergruppe der Zytokine (Botenstoffe), also Proteine, die auf vielfältige Weise auf das Immunsystem einwirken. Zytokine allgemein sind für ihre wichtige Rolle im Allergiegeschehen bekannt, sie reagieren mit starker Aktivität, als Antwort auf Entzündungssignale. Eine positive Rolle spielen Chemokine z.B. bei der Wundheilung, der Blutbildung oder der Genesung von Infektionen. Bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen wie Multiple Sklerose, findet sich ebenfalls eine erhöhte Chemokinaktivität. Im Gegensatz zu Zytokinen können sich Chemokine an verschiedene Reizempfängerzellen anbinden und vermitteln dann ihre Signale. Chemokine werden, wie auch andere Zytokine, von einer Vielzahl verschiedener Zellen gebildet und wirken auch auf sie. Bisher gibt es noch keine einheitliche Bezeichnung für Chemokine, sie werden nach ihrer speziellen Funktion benannt. Es gibt immer mehr Hinweise, dass sie eine sehr wichtige Rolle bei der Entstehung entzündlicher demyelinisierender Erkrankungen des zentralen und peripheren Nervensystems spielen, so auch bei der Multiplen Sklerose. In einem Tiermodell konnte, durch die hervorgerufene Verlangsamung des Abbaus der Myelinscheide, die Erkrankung deutlich gebessert werden. Erreicht wurde es Mithilfe eines Antikörpers. Ein solcher Antikörper (ein Chemokin) könnte auch für den Menschen entwickelt werden und somit einen neuen Therapieansatz bei Multipler Sklerose darstellen. Vorher sind jedoch umfangreiche Forschungen notwendig. Dabei muss auch abgeklärt werden, inwieweit die Blockade beim Menschen überhaupt vertretbar ist, da die entsprechenden Chemokine ja schließlich auch andere "normale" Aufgaben im menschlichen Körper verrichten. Nach umfangreicher Abklärung und Untersuchung der Möglichkeiten, könnte der Chemokinhemmer tatsächlich ein neuer Therapieansatz für MS-Erkrankte sein.
Estriol (Immunhemmendes Hormon)
Estriol (oder auch Östriol) ist ein Schwangerschaftshormon, es wird während der Schwangerschaft von der Plazenta gebildet. Das Hormon wird zur Behandlung von Menopausenbeschwerden verwendet, scheint sich darüber hinaus jedoch auch für die Therapie der Multiplen Sklerose zu eignen. Die Vergabe von Estriol erfolgt in Tablettenform, die Nebenwirkungen sollen relativ gering sein. Die Behandlung von MS-Erkrankten mit Estriol, hat die Zahl der nachweisbaren neuen MS-Herde bedeutend vermindert, so zumindest die Ergebnisse von Studien. Dies lässt auf eine gute therapeutische Wirkung hoffen. Es müssen allerdings noch weitere, größere Forschungen betrieben werden, um zu einem endgültigen Ergebnis zu kommen.An einer amerikanischen Universität wurde Estriol im Rahmen einer kleinen Studie, über mehrere Zeitabschnitte bei zwölf Frauen eingesetzt. Die Hälfte von ihnen war im Anfangsstadium der MS. Bei den Frauen im Anfangsstadium nahm die Zahl der Gehirnläsionen während der Behandlung wesentlich ab, stieg nach Absetzen der Therapie jedoch wieder auf den Ausgangswert an. Bei den Frauen mit fortgeschrittener Erkrankung, zeigte die Therapie keinen Erfolg.
T-Helfer-Zellen an Blut-Hirn-Schranke
Im Verlauf der Multiplen Sklerose werden zunehmend Strukturen im Gehirn und Rückenmark vom Immunsystem angegriffen, verantwortlich dafür sind T-Helfer-Zellen. Forschern ist es gelungen, bislang unbekannte T-Helfer-Zellen (dendritische) an der Blut-Hirn-Schranke zu identifizieren, die dem Immunsystem die Angriffspunkte im Gehirn weisen. Diese Sorte von weißen Blutzellen "verrät" sozusagen den Weg dahin. Bislang war unklar, wie es diesen Immunzellen gelingt, Strukturen im Gehirn als "Gegner" zu erkennen. Die Wissenschaftler haben verzweigte Zellen an der Blut-Hirn-Schranke identifiziert, die den autoaggressiven Immunzellen den Weg weisen. Ohne diese T-Helfer-Zellen können die Täterzellen des Immunsystems ihr Opfer in Gehirn und Rückenmark nicht erkennen. Das Ziel der Forscher ist nun, die Zellen so zu manipulieren, dass das irregeleitete Immunsystem das Gehirn zukünftig ignoriert. Die Erkenntnisse könnten somit zu einem neuen Ansatz der MS-Therapie führen.
Krankheitsverlauf in 10 Minuten
Forscher in den USA haben ein Verfahren zur Messung der Schwere der Erkrankung bei Multipler Sklerose entwickelt. Mit Hilfe der MR-Spektroskopie wurde die so genannte Whole Brain N-acetylaspartate (WBNAA) entwickelt. Dieses Verfahren ermöglicht zusätzlich eine Bewertung der Wirksamkeit der verabreichten Medikamente. WBNAA misst die Menge von N-acetylaspartate (NAA) im Gehirn, einer Chemikalie, die nur in Gehirnzellen vorkommt. Multiple Sklerose führt zu einer Verringerung dieser Chemikalie im Gehirn. Dieses Defizit ist wie die Geschwindigkeit des Verlustes proportional zur Schwere der Erkrankung. Das neue Verfahren wird gleichzeitig mit der Kernspintomografie durchgeführt, für die Durchführung werden zusätzlich zehn Minuten benötigt. Die Ergebnisse der Wisenschaftler ergaben sich aus der Untersuchung von MS-Betroffenen verschiedenen Alters, jeweils mit einem schubförmigen Verlauf. Dabei wurde eine Ungleichheit in der Verlustrate von Gewebe und NAA festgestellt. Basierend auf dieser Ungleichheit wurde abgeleitet, dass die Schädigung der neuralen Zellen vor dem Schwund - und nicht als dessen Resultat stattfindet. Da diese Veränderungen stattfinden, bevor Symptome sichtbar werden, ermöglicht WBNAA daher scheinbar eine frühere, spezifischere Messung des Krankheitsverlaufes.
Aimspro
Eine britische Firma hat vor einiger Zeit angefangen ein Medikament zu entwickeln, das möglicherweise einmal in der Behandlung der sekundär-progredienten Multiplen Sklerose zum Einsatz kommen kann. Es gibt bis jetzt keine Veröffentlichungen zur Wirksamkeit und Verträglichkeit von Aimspro (Caprivax), man darf also gespannt sein, ob sich das Medikament als wirksam erweist. Die Substanz besteht aus poliklonalen Antikörpern (Proteine), die aus dem Serum (flüssiger Anteil des Blutes) von Ziegen gewonnen werden. Das Serum wird mit einer Reihe von Impfstoffen geimpft, so dass sich so genannte neutralisierende Antikörper bilden. Die Antikörper werden als Reaktion auf die Impfungen mit Antigenen (fremde Eiweißstoffe) von weißen Blutzellen gebildet. Unterschiedliche Antikörper erkennen im Zuge der Immunantwort die unterschiedlichen Teile von Antigenen und zerstören bzw. neutralisieren sie. Ursprünglich wurden diese poliklonalen Antikörper zur Testung bei HIV-positiven bzw. AIDS-Patienten entwickelt. Es stellte sich zwar heraus, dass die Substanz in der Behandlung von AIDS nicht besonders wirksam war, aber eine interessante Randbeobachtung war: AIDS-Patienten, die auch an MS erkrankt waren, zeigten eine deutliche Verbesserung ihrer MS-Symptome. Aufgrund dieses interessanten "Nebeneffekts", wird weiter in dieser Richtung geforscht. Wenn weitere Studien Erfolg versprechend ausfallen, besteht Hoffnung auf ein wirksames Therapeutikum von sekundär-progredienter MS.
Chinoline (Laquinimod)
Es gibt etwa 60 Autoimmunkrankheiten, darunter auch die Zerstörung von Nervengeweben bei MS. Die Ursachen des hierbei erfolgenden Selbstangriffes auf den eigenen Körper sind vielfältig. Eine Substanzgruppe, die derartige Selbstangriffe verhindert, ist erst vor vergleichsweise kurzer Zeit ins Visier der Wissenschaft gerückt, die Chinoline. Zu dieser großen Gruppe meist pflanzlicher Naturstoffe gehört das bekannte, früher gegen Malaria eingesetzte Chinin. Bei einem weiteren Vertreter dieser Gruppe, dem Linomid, wurde vor einigen Jahren die Fähigkeit entdeckt, das Immunsystem zu beeinflussen. Linomid hat sich aber in klinischen Versuchen als nicht ausreichend wirksam bei der MS herausgestellt. Die Substanz Laquinimod ist die Nachfolgesubstanz von Linomid. In Tierversuchen zeigte Laquinimod eine vielfach höhere Wirksamkeit, als die Vorgängersubstanz Linomid, was das Eindringen von Entzündungszellen in das Zentrale Nervensystem angeht. Man geht von einer kompletten Unterdrückung aus, weil angenommen wird, dass dieses Eindringen von Entzündungszellen das Versagen der Nervenfunktionen bewirkt - wie sie bei der MS bekannt sind. Der Wirkmechanismus ist aber letztendlich noch ungeklärt. Bei Laquinimod handelt es sich um einen so genannten Immunregulator, und klinische Studien müssen abgewartet werden, um zu sehen, ob sich die Substanz als tauglich für die Behandlung der MS erweist. Laquinimod wurde bisher in mehrere Studien im Hinblick auf die Therapiemöglichkeiten untersucht. Bisher ist bei Vergabe als Tablette einer relativ hohen Dosierung festgestellt worden: Eine höhere Dosierung von Laquinimod, verringerte die mittlere Anzahl der aktiven Läsionen im MRT um 44%, verglichen mit Placebo. Hinsichtlich der untersuchten Variablen "Schubrate" und "Behinderungsfortschritt" konnten keine Unterschiede festgestellt werden. Die Wissenschaftler folgerten daraus, dass orales Laquinimod in der entsprechenden Dosierung gut vertragen wurde und wirksam die Entwicklung von aktiven Läsionen bei schubförmig-remittierender MS unterdrückt.
Myelinbasisches Protein (MBP) 8298
MBP8298 ist ein künstlich hergestelltes Myelinbasisches Protein, das aus 17 Aminosäuren besteht. Die MS hat unterschiedliche empfänglich machende Faktoren: genetische, geographische und umweltbezogene Faktoren. Beim Wirkprinzip dieses MBP kommt die genetische Komponente zum Tragen, und zwar dort, wo genetische Besonderheiten die Immunantwort bei der MS beeinflussen. Der hauptsächliche Angriffspunkt, die T- und B-Zellen bei MS-Erkrankten, ist in einer bestimmten Abfolge des künstlichen Proteins MBP8298 enthalten. Patienten, die einen Schub erleiden, weisen erhöhte Spiegel von B-Zell-Antikörpern auf, die durch hohe Dosen von MBP8298 (intravenös) neutralisiert werden. Dadurch, so die Annahme, wird die überschießende Immunantwort abgeschwächt. Anders gesagt heißt das, dass MBP8298 vermutlich die krankheitsbezogene Produktion von Antikörpern, die gegen das Myelin gerichtet sind, verringert. Es wird angenommen, dass diese Wirkungsweise den Krankheitsfortschritt verzögert. Es wurden bisher einige Studien mit MBP8298 durchgeführt, unter Teilnahme von MS-Erkrankten mit primär oder sekundär progredienter MS.
Statine
Statine hemmen ein Enzym, das zur Bildung von Cholesterin notwendig ist und werden deshalb in erster Linie als Cholesterinsenker verwendet. Sie vermindern Arteriosklerose und damit das kardiovaskuläre Risiko, was in der Vergangenheit hauptsächlich auf ihre Cholesterinsenkenden Eigenschaften zurückgeführt wurde. Neuere Forschungsergebnisse zeigen, dass Statine zusätzlich leistungsfähige immunmodulatorische Effekte haben, die Ausprägung klinischer und pathologischer Veränderungen im Tiermodell vermindern und damit als therapeutische Option für die MS grundsätzlich infrage kommen. Der genaue Wirkmechanismus ist noch unklar, deshalb werden Statine in klinischen Prüfungen auf ihre Wirksamkeit und Verträglichkeit bei der Multiplen Sklerose getestet. Es wäre verfrüht anzunehmen, dass Statine einmal für die Behandlung von MS eingesetzt werden. Dazu müssen die Studienergebnisse abgewartet werden. Bis dahin sollte niemand davon ausgehen, dass Statine die MS wirksam beeinflussen oder gar heilen können. Es gibt natürlich auch in diesem Bereich MS-Erkrankte, die den Wirkstoff im Selbstversuch nehmen, manchen Betroffenen scheint es zu helfen. Es sind subjektive Eindrücke von den Erkrankten, die mit Vorsicht "genossen" werden sollten.
Teriflunomide
Teriflunomide sind ein Immunsuppressivum, das möglicherweise das Verhalten der krankheitsverursachenden Zellen bei der MS verändert Darüber hinaus verringert die Substanz die Schädigung des Myelin bedeutsam. Zumindest sind das die Ergebnisse einer Studie an 179 Studienteilnehmern mit schubförmige Multipler Sklerose. Dabei gab es, neben einem Placebo, zwei Dosierungen (7 mg und 14 mg) einmal pro Woche. Das primäre Studienziel war, die Wirkung von Teriflunomide auf die durchschnittliche Anzahl der aktiven MS-Herde festzustellen. Dazu wurden in Abständen von sechs Wochen MRT-Aufnahmen durchgeführt. Beide Dosierungen von Teriflunomide verringerten demnach die Anzahl der aktiven Herde. Nebenwirkungen bestanden in Kopfschmerzen und Infektionen der oberen Atemwege, ansonsten wurde der Wirkstoff gut vertragen.
T-Zell-Impfung
T-Zellen (Abwehrzellen) lösen bei MS-Erkrankten die fehlgesteuerte Immunreaktion gegen die körpereigenen Myelinzellen aus, das bewirkt die Schädigung an der Isolierschicht (Myelin) der Nerven. Bei der T-Zell-Impfung besteht der Impfstoff aus veränderten T-Zellen. An diesen aus dem eigenen Körper des Erkrankten entnommenen (autologen) Impfstoff, werden Veränderungen vorgenommen. Die Veränderung bewirkt, dass die Zellen, sobald sie dem Erkrankten injiziert werden, eine Immunreaktion hervorrufen. Diese Immunantwort richtet sich nun gegen die spezifischen T-Zellen im Körper, die das Myelin angreifen. Durch die Injektion des Impfstoffes soll Anzahl und Aktivität der T-Zellen stark gemindert werden. Die T-Zell-Impfung könnte somit eine Möglichkeit sein, den Selbstschutz des Körpers zu aktivieren und so den Krankheitsverlauf aufzuhalten. Ein schöner Traum für Wissenschaftler wäre die Entwicklung einer Impfung gegen MS. Die T-Zell-Impfung aktiviert, wie jede Impfung, das Immunsystem. Sie unterscheidet sich aber von den gängigen Impfungen dadurch, dass nicht ein infektiöses Bakterium bekämpft wird, sondern die eigenen Abwehrzellen. Das ist aber nur eine der Schwierigkeiten, die die Träume bisher zerplatzen ließen. Wie sehen die Langzeitfolgen aus, zudem muss ausgeschlossen werden, dass die Impfung das Immunsystem nicht derartig verändert, dass es andere Infektionen nicht mehr bekämpfen kann. Im März 2004 wurde eine, ursprünglich für 4 Jahre angelegte, amerikanische klinische Studie zur T-Zell-Impfung bei MS beendet, weil es nicht gelungen war, signifikante Ergebnisse zu zeigen. Es konnte kein positiver Nutzen bei den Teilnehmern der Studie nachgewiesen werden, die den Impfstoff erhielten.
Stammzelltherapie
Eine Betroffene war im Alter von 13 Jahren an MS im fortgeschrittenen Anfangsstadium erkrankt. Am Anfang kam es zu Gefühllosigkeit im Gesicht, Taubheitsgefühl in den Armen, Klinikaufenthalte in immer kürzeren zeitlichen Abständen, Gleichgewichtsprobleme. Im weiteren Verlauf halfen auch die gängigen MS-Medikamente nicht, die Krankheit machte sich immer wieder schubweise bemerkbar. In der Folge versagten ihr die Beine du sie war auf einen Rollstuhl angewiesen, dazu kamen ein zeitweiser Verlust von Gehör und Sprache. Daraufhin wurde eine regelmäßige Chemotherapie veranlasst, doch auch damit war der drastische Verlauf der Krankheit nicht mehr aufzuhalten. Letzte Möglichkeit: Eine Stammzellentransplantation. Die musste zuerst bei einer europäischen Ethik-Kommission beantragt werden. Es wurde schließlich eine entsprechende Klinik gesucht, wo dann auch die Therapie durchgeführt werden konnte - und gefunden. Nach der Stammzellentransplantation war ihr gesamtes Immunsystem geschwächt und musste wieder aufgebaut werden. Alle Infektionsrisiken mussten aus ihrem Lebensraum entfernt werden. Dann ging es allmählich bergauf, sie konnte den Rollstuhl verlassen und kam in eine Schule für Körperbehinderte, einige körperliche und geistige Schädigungen sind von den Schüben geblieben. Die erfolgreiche Stammzellentransplantation, machte aber eine Weiterbehandlung mit Immunglobulin erforderlich. Diese dient unter anderem dem Schutz vor Infektionen, die ein Wiedererstarken von MS begünstigen können. Aber als wenn der Verlauf dieser jungen Betroffenen nicht schon schwer genug wäre, lehnte ihr die Krankenkasse eine weitere Behandlung mit Immunglobulin aus Kostengründen ab. Ein weiterer Beweis für das erfolgreiche deutsche Gesundheitssystem, in dem kranke Menschen nicht mehr mit dem Solidaritätsgedanken behandelt werden, sondern als Kostenfaktor. Die Stammzellentransplantation wird in den letzten Jahren vermehrt speziell für die Therapie der schwer verlaufenden, rasch progredienten Multiplen Sklerose als Option diskutiert. Die öffentliche Diskussion um Stammzellen findet statt, dabei spielen leider Moral und Ethik eine zu große Rolle.
Aminosäure Tryptophan
Abbauprodukte der Aminosäure Tryptophan können die Symptome von Autoimmunerkrankungen wie Multipler Sklerose lindern. In Tierexperimenten amerikanischer Forscher hatten sich dabei sowohl natürliche als auch synthetische Abkömmlinge dieser Aminosäure als wirksam erwiesen. Sie unterdrückten die Bildung bestimmter Immunzellen, die bei der MS eine wichtige Rolle spielen. Die genaue Ursache der Krankheit ist noch nicht geklärt, aber eine zentrale Bedeutung kommt dem Immunsystem zu, das aufgrund einer Fehlsteuerung zur Entstehung dieser Entzündungen im Nervensystem beiträgt. Dabei spielen bestimmte Immunzellen eine wichtige Rolle. Den Wissenschaftlern gelang es, bei Mäusen mit einer bestimmten Form von MS die Vermehrung und Aktivierung dieser Zellen zu hemmen. Dazu verwendeten sie vier natürliche Abbauprodukte von Tryptophan und einen synthetischen Abkömmling dieser Aminosäure. Mit allen fünf Substanzen konnten gleichermaßen die Krankheitssymptome bei den Mäusen gelindert werden. Natürliche oder künstliche Abkömmlinge von Tryptophan könnten daher möglicherweise in Zukunft zur medikamentösen Therapie von Menschen mit MS eingesetzt werden.
Impfungen gegen MS
Vor Jahren behauptete die Immunologin Michal Schwartz, Abwehrzellen des Immunsystems könnten aus dem Blut ins Gehirn wandern. Für diese Hypothese wurde die Forscherin heftig kritisiert und von einem Teil der wissenschaftlichen Gemeinde heftig bekämpft. Wenig später fand Schwartz Belege dafür, dass sich das Immunsystem im Gehirn auch gegen eigenes Gewebe richtet und quasi aufräumt. Jetzt hat sie gezeigt, dass diese kontrollierte Auto-Immunreaktion für die Regeneration des Gehirns, also für die Wiederherstellung kaputten Nervengewebes geradezu unverzichtbar ist. Damit hat die Neuro-Immunologin auch mit der herrschenden Meinung aufgeräumt, das Immunsystem diene nur der Abwehr von Krankheitskeimen aus der Außenwelt. Nach Meinung von Schwartz ist das Immunsystem dazu da, dieses Gleichgewicht aufrecht zu erhalten, auch im Gehirn. Werden bei anderen Krankheiten wie Multiple Sklerose bestimmte Zellen des Immunsystems stimuliert, reparieren sie die Schäden weitaus besser als ohne Anregung. Es lag daher nahe, Impfungen gegen neuro-degenerative Erkrankungen zu entwickeln; dieser Immun-Turbo hält die Schäden im Gehirn gering. Ein ständig fortschreitender Abbauprozess wie bei Multiple Sklerose braucht eine permanente leichte Immun-Stimulation. Anzeichen für die wichtige Rolle des Immunsystems bei der Beseitigung von Gehirnschäden gab es schon längst. Allerdings wagte kaum jemand in der wissenschaftlichen Gemeinde, diesen Ansatz zu verfolgen. Michal Schwartz zeigte an Ratten, dass Tiere in einer stimulierenden Umgebung tatsächlich verstärkt neue Nervenzellen bilden. Da sich im Umfeld der Stammzellen besonders viele Immunzellen fanden, wurde die zentrale Rolle des Immunsystems für die Neubildung von Nervenzellen immer offensichtlicher.
Fingolimod oral (FTY720)
Patienten mit schubförmig-remittierender Multipler Sklerose (MS) profitieren von der Behandlung mit dem oral verabreichten Rezeptor-Modulator Fingolimod, 18-Monats-Langzeitdaten einer Phase-II-Studie bestätigen die signifikanten Effekte. Nach sechs Monaten konnte schon eine Reduktion der jährlichen Schubrate von ca. 50% im Vergleich zu Placebo festgestellt werden, die Langzeitdaten belegen, daß die geringe Schubrate in der folgenden zwölfmonatigen Phase erhalten blieb. Außerdem, so das bisherige Ergebnis, verringerte sich in der Verumgruppe die Zahl der dokumentierten Läsionen um bis zu 80 Prozent.Die Studie läuft über 24 Monate. Fingolimod ist eine Substanz mit einem neuartigen Wirkmechanismus. Es hindert bestimmte Typen von weißen Blutkörperchen (Lymphozyten) daran, aus den Lymphknoten im Körper auszuwandern. Hierdurch können sie nicht mehr in das Gehirn bzw. Rückenmark eindringen, wo sie die MS-typischen entzündlichen Läsionen verursachen. Die weißen Blutkörperchen werden unter dieser Therapie nicht zerstört, sondern behalten ihre natürlichen Funktionen. Durch diese Wirkweise soll Fingolimod Myelinschäden im Zentralnervensystem und die durchnittliche Schubrate vermindern. Als Nebenwirkungen der Therapie kam es vermehrt zu Kopfschmerzen und einer erhöhten Rate an leichten Infektionen. Insgesamt soll die Therapie aber gut verträglich sein. Die Substanz wirkt zwar auf die Lymphozyten, scheint aber die Immunabwehr nicht wesentlich zu beeinträchtigen. Wegen der ermutigenden Ergebnisse, soll im Herbst 2006 eine Phase-III-Studie beginnen, die auf 2 Jahre angelegt ist.
Thymusdrüse
Wissenschaftler haben entdeckt, dass sich die für die Thymusentwicklung notwendige Mikroumgebung auch nachgeburtlich aus einzelnen Zellen neu aufbauen lässt. Zudem haben die Forscher nachgewiesen, dass sich beide Thymuszelltypen aus den gleichen Vorläuferzellen bilden. Der Thymus ist ein hinter dem Brustbein gelegenes Organ, welches für das Immunsystem unverzichtbar ist. Es sorgt für die Ausbildung der so genannten T-Zellen, die Virus-infizierte Zellen und Tumorzellen aufspüren und vernichten. Damit sich die T-Zellen entwickeln können, benötigen sie eine bestimmte Umgebung, Stroma genannt. Das Stroma hilft dabei selbstreaktive Zellen zu eliminieren oder zu inaktivieren, die anderenfalls ihre Zerstörungskraft gegen das gesunde Körpergewebe wenden würde. Bei einem Defekt der Ausbildung der Fähigkeit zwischen körperfremden und körpereigenen Stoffen zu unterscheiden, entstehen Autoimmerkrankungen wie z.B. Multiple Sklerose. Das Stroma im Thymus ist somit wesentlicher Teil einer hochkomplexen Qualitätskontrolle im Immunsystem. In zukünftigen Forschungen, will man sich auf die Isolierung und Vermehrung der Vorläuferzellen konzentrieren.
Hormone
Das Schilddrüsen-Hormon Thyroxin soll eine Demyelinisierung, wie sie für die MS typisch ist, zumindest noch bei Tieren, rückgängig machen können, wie Wissenschaftler herausgefunden haben. Das Hormon fördert die Entwicklung von Oligodendrozyten aus ihren Vorläuferzellen, wenn es zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Frühphase der Erkrankung verabreicht wird. Diese Zellen synthetisieren die schützende Myelinschicht um die Nervenfortsätze. Dass diese Zellentwicklung durch Thyroxin gesteuert wird, ist erst wenige Jahre bekannt. Die Wissenschaftler entdeckten die nervenschützende Wirkung des Hormons in Versuchen mit Ratten, bei denen experimentell eine Myelitis mit MS-ähnlichen Symptomen hervorgerufen wurde. Auch das Schwangerschaftshormon Östrogen zeigte im Tierversuch positiven Einfluss auf die Symptome von MS, und zwar bei Männern ebenso wie bei Frauen. Aber selbst wenn hormonelle Behandlung die menschliche MS beeinflussen könnte, würden viele Jahre vergehen, bis alle nötigen Studien durchgeführt und die Medikamente auf dem Markt wären - und damit dem Patienten zur Verfügung stünden.
TRAIL
Ein körpereigenes Protein, das die Zerstörung von Nervenzellen im Gehirn fördert, lässt sich blockieren. Die Multiple Sklerose ist nicht nur eine in Phasen verlaufende autoimmune Erkrankung, bei der die Umhüllungen der Nervenfasern durch spezielle T-Lymphozyten mehr oder weniger zerstört werden. Bedeutsamer scheint die neuere Erkenntnis zu sein, dass auch die Nervenzellen im Gehirn von MS-Kranken bereits in den frühen Phasen der Erkrankung angegriffen werden und untergehen. Dieses Zerstörungswerk kommt wesentlich durch "aktivierte T-Lymphozyten" zustande - wodurch die T-Lymphozyten bei MS aktiviert werden ist allerdings unbekannt. Bekannt ist aber inzwischen, dass die T-Zellen ein körpereignes Protein ins Gehirn hinein transportieren, das sie selbst bilden und dort freisetzen. Dieses Protein gehört zur Gruppe der Nervenwachstumsfaktoren und wird in der Forschung als TRAIL (Tumor necrosis factor Related Apoptosis Inducing Ligand) bezeichnet. TRAIL erfährt seit wenigen Jahren große Aufmerksamkeit unter Wissenschaftlern. Zunächst weil die Substanz Krebszellen abtöten kann. Später wurde die Bedeutung von TRAIL für entzündliche Erkrankungen des Gehirns, insbesondere der Multiplen Sklerose, offensichtlich. TRAIL ist eine Todessubstanz für entzündliches Hirngewebe vom Typ Multiple Sklerose. Die Substanz lässt sich aber blockieren und daraus könnte ein Medikament entwickelt werden, das direkt im Gehirn die Aktivität von TRAIL unterbindet. Für TRAIL, dass das Signal zum Zelltod bildet, haben die Nervenzellen im Gehirn Andockstellen (Rezeptoren). Das heißt, die Zellen können TRAIL binden und sind damit seiner zerstörenden Wirkung ausgesetzt. Die Zahl dieser Rezeptoren auf den Nervenzellen wird wesentlich vermehrt, wenn im Gehirn entzündliche Vorgänge ablaufen, wie dies bei der MS der Fall ist. Voraussetzung für das Todessignal TRAIL ist also eine Entzündung. Je mehr TRAIL andererseits freigesetzt wird und Nervenzellen angreift, um so ausgeprägter sind die klinischen Symptome. Blockiert man TRAIL oder lässt man nur aktivierte T-Lymphozyten ins Gehirn, denen die Fähigkeit, TRAIL zu bilden, genommen wurde, so fällt der Nervenzelluntergang im Gehirn beträchtlich geringer aus. Die neuen Erkenntnisse könnten zur Entwicklung eines Medikamentes führen, das TRAIL im Gehirn blockiert und so die Fortentwicklung von Multipler Sklerose mindert oder sogar stoppt.
Trichuris suis
Dabei handelt sich um einen "natürlichen" Ansatz mit dem Ziel, regulatorische Zellen des eigenen Immunsystems zu vermehren, die die Autoimmunantwort bei der MS unter Kontrolle halten sollen. Trichuris suis ist ein für den Menschen unschädlicher Parasit, der nach ca. 10 Tagen wieder tot ausgeschieden wird. Auf dem Weg durch den Magen-Darmtrakt findet ein Kontakt mit dem körpereigenen Immunsystem statt. Es handelt sich also um eine Art "Schluckimpfung", die alle 14 Tage als Saft getrunken werden muss. Die verabreichte Substanz wurde in Deutschland bereits als Medikament zugelassen und ohne Nebenwirkungen vertragen. Erste positive Ergebnisse wurden bereits bei anderen Autoimmunerkrankungen wie dem Morbus Crohn (entzündliche Darmerkrankung) und bei der Colitis ulcerosa (Dickdarmentzündung) erzielt. Der Behandlungsansatz basiert auf der Annahme, dass unser Immunsystem möglicherweise durch den hohen hygienischen Standard und die mangelnde Auseinandersetzung, im Lauf der Zeit empfänglicher für Autoimmunerkrankungen geworden ist.
Zellkultur-Systeme
In den Gehirnen von Erkrankten mit neurodegenerativen Erkrankungen, wie z.B. Multiple Sklerose, bilden sich Ablagerungen von Proteinen. Diese Proteinaggregate, die nicht mehr abgebaut werden können, schädigen Transportprozesse in den Zellen und führen schließlich zum Zelltod. In aufwändigen Laborversuchen haben Wissenschaftler inzwischen erfolgreich Zellkultur-Systeme etabliert, an denen die molekularen Mechanismen, die zur Protein-Aggregatbildung führen, genau studiert werden können. In ihrer weiteren Arbeit wollen sie herausfinden, ob über eine vermehrte Zufuhr von Stressproteinen, zur Auflösung der Proteinaggregate beigetragen werden kann. Bei Krankheiten und dem Auftreten von zellulärem Stress, der durch entzündliche Prozesse ausgelöst wird, bildet der Körper zu zellulären Reparaturzwecken und zum Schutz Stressproteine. Ihr Vorkommen in den Proteinaggregaten deutet darauf hin, dass die Rettungsmechanismen nicht erfolgreich waren, möglicherweise weil zuwenig Stressproteine gebildet wurden. Ein anderer Schwerpunkt richtet sich auf die Aufklärung von Vorgängen bei demyelinisierenden Prozessen, die bei der MS eine zentrale Rolle spielen. Myelin ist eine Substanz im Gehirn, die für die Nervenzellen von großer funktioneller Bedeutung ist, und für deren Ausbildung die Oligodendrocyten zuständig sind. Auch in diesen Zellen werden Proteinablagerungen beobachtet. Die Wissenschaftler untersuchen an diesen Zellen Signalwege, die die Ausbildung des Myelins fördern und bei krankhaften Prozessen eventuell gestört sind.
Antikörper
Wissenschaftlern ist es gelungen zu zeigen, dass sich Symptome von Autoimmunerkrankungen im Tierexperiment mit einem speziellen Antikörper effektiv mildern lassen. An einem Modell für die Multiple Sklerose konnten die Forscher die gewonnen Erkenntnisse nachweisen. Die viel versprechenden Forschungsergebnisse zeigen einen neuen Therapieweg auf. Bei Autoimmunkrankheiten, wie z.B. Multiple Sklerose, greifen Zellen des Immunsystems irrtümlicher Weise den eigenen Körper an. Diese Art Immunzellen finden sich in den meisten Menschen, dennoch erkrankt nur ein Teil daran. Die Gründe dafür liegen darin, dass die autoreaktiven T-Lymphozyten von regulatorischen T-Zellen in Schach gehalten werden. Bei MS-Erkrankten ist bekannt, dass entweder nicht genug regulatorische T-Zellen vorhanden sind, oder dass deren Funktion eingeschränkt ist. Das spricht dafür, dass ein Ungleichgewicht zwischen regulatorischen und autoreaktiven T-Zellen zum Entstehen dieses Krankheitsbildes beiträgt. Die Wissenschaftler haben nun einen Antikörper entdeckt, der die Aktivität von T-Zellen ungewöhnlich stark stimuliert. In Versuchstieren steigert der Antikörper Zahl und Aktivität der regulatorischen T-Zellen um ein Vielfaches. Die Wissenschaftler wollen nun herausfinden, ob dieser Antikörper auch den Verlauf einer Autoimmunerkrankung beeinflussen kann. Dafür benutzen sie ein Tiermodell für die Multiple Sklerose,ähnlich wie bei der MS wandern dabei Immunzellen ins Zentrale Nervensystem ein und zerstören dort wichtige Schaltzentren. Das führt zu MS-ähnlichen Symptomen, etwa zu einem unsicheren Gang und zur Lähmung der Gliedmaßen. Die Versuche haben deutlich gemacht, dass schon die einmalige Gabe des Antikörpers ausreicht, um die Aktivität der Krankheit deutlich zu drosseln.
Cladribin
Cladribin ist ein Immunsuppressivum, es beeinflusst das Verhalten und die übermäßige Bildung bestimmter weißer Blutzellen, insbesondere Lymphozyten, die am Krankheitsgeschehen von MS beteiligt sind. Es wurde bereits früher bei MS getestet. Es wird jetzt in einer internationalen Phase-III-Studie bei MS untersucht. Als Endpunkte der multi-zentrischen placebokontrollierten Doppelblindstudie wurden die Schubrate, das Fortschreiten der Behinderung und die Anzahl der Läsionen im Magnetresonanzverfahren beschrieben. Cladribin hatte in klinischen Phase-II-Studien bereits eine positive Wirkung bei MS-Patienten gezeigt, diese günstigen Resultate liessen sich allerdings bisher nicht in einer Phase-III-Studie bestätigen. Auch wenn Cladribin einen sehr deutlichen Effekt bezüglich Reduktion des Volums kontrastmittelanreichender Herde im Magnetresonanzverfahren zeigte, konnte keine Wirkung auf die Behinderung nachgewiesen werden.
HSCT/MSC (Blutstammzellen)
Die Transplantation von Blutstammzellen hat sich bereits seit mehr als 30 Jahren, z.B. bei Leukämie, bewährt. Ihren Nutzen bei Autoimmunkrankheiten erkannte man aber erst später, HSCT wird zwar heute schon bei Autoimmunkrankheiten angewendet, es befindet sich aber noch im Forschungsstadium. Die Stammzellen können nur vom Erkrankten selbst gewonnen werden. Dabei passiert folgendes: Die Stammzellen werden dem Knochenmark entnommen, dann alle im Körper verbliebenen Immunzellen durch Chemotherapie oder Bestrahlung vernichtet. Nun werden die zwischengelagerten und vermehrten Stammzellen wieder in die Blutbahn zurückgebracht. Durch diesen Neubeginn sollen die Stammzellen gesunde und nicht mehr gegen den eigenen Körper gerichtete Abwehrzellen bilden. Das Problem der HSCT ist, dass die Blutstammzellen selbst nicht therapeutisch wirken, sondern lediglich das Immunsystem nach dessen Ausschaltung wieder neu aufbauen. Die Aufmerksamkeit richtet sich deshalb auf jene Stammzellen, die Knochen, Muskeln, Bindegewebe und Fett bilden können, die MSC. Sie haben den Effekt, dass sie das Immunsystem positiv beeinflussen und selbst keine Abwehrreaktion provozieren. Sie stoppen das Wachstum der Lymphozyten, die fehlgesteuert den eigenen Körper angreifen, und wirken entzündungshemmend. Sie lassen sie sich relativ problemlos im Reagenzglas züchten und können dem Erkrankten mit einer lokalen Betäubung relativ leicht entnommen werden. In der Schweiz wird an einer neuen Methode der Stammzellen-Transplantation geforscht. Man entnimmt dem Beckenknochen einige Stammzellen, versetzt diese im Reagenzglas mit Wachstumsfaktoren und gibt dem Erkrankten anschließend die millionenfach vermehrten Stammzellen zurück in die Blutbahn. Das Immunsystem baut sich mithilfe dieser Stammzellen, die auch Knochen und Muskeln bilden können, rasch wieder auf. Zugleich ist die Autoimmunkrankheit, z.B. Multiple Sklerose, verschwunden.
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