Eine neue Möglichkeit zur Behandlung der Multiplen Sklerose ist der Wirkstoff Natalizumab (Tysabri). Bei dem Medikament handelt es sich um ein intravenös verabreichtes Antikörper-Präparat, dessen Wirkung darauf beruht, die Wanderung potentiell schädigender Immunzellen aus dem Blutstrom in das Gehirn und Rückenmark auszuschalten. Der Antikörper bindet sich dabei an ein auf der Zelloberfläche befindliches Eiweiß, das den Transport von Immunzellen über die Blut-Hirnschranke regelt.
Eine Eigenschaft von MS-Entzündungsherden ist, dass sich in ihrem Zentrum immer eine Vene befindet. Seit ein paar Jahren gibt es zunehmend Hinweise, dass sich daraus aktivierte Lymphozyten ausbreiten und sich mit einem Bestandteil ihrer Außenhülle an die Hirnvenen anheften, um dann durch die Venenwand hindurch ins Gehirn geschleust zu werden. Es soll durch Natalizumab blockiert werden können, so dass die Lymphozyten im Blut bleiben und ihren Angriffspunkt im Gehirn nicht erreichen. Die Vergabe von Tysabri bei MS, soll zu einer Verringerung der Häufigkeit des Auftretens neuer Krankheitsschübe führen.
Zugelassen "war" das Medikament unter dem Namen "Tysabri" schon einmal in den USA, bis einige Todesfälle aufgrund der Nebenwirkungen bekannt wurden. Die Patienten waren dabei mit einer Kombination von Tysabri und dem Interferon Avonex behandelt worden (inzwischen ist es erneut in den USA zugelassen). Trotz dieser Rückschläge und Unabwägbarkeiten bleibt die Hoffnung, dass damit in Zukunft ein möglichst wirksames Medikament für die Behandlung von MS zur Verfügung steht. Vielleicht eines nur für bestimmte Formen der Multiple Sklerose, auch und wahrscheinlich gerade, weil dessen Wirkung auf einem völlig neuartigen Behandlungskonzept beruht. Dies ist insofern wünschenswert, da es schon seit längerem Hinweise gibt, dass es sich bei MS möglicherweise nicht um eine Einzige, sondern um mehrere verschiedene Erkrankungen ähnlicher Symptomatik handelt.
Inzwischen ist es auch auf dem deutschen Markt. Der wissenschaftliche Ausschuß der europäischen Arzneimittelbehörde hat die Zulassung des Medikaments Tysabri mit dem Wirkstoff Natalizumab empfohlen, zur Behandlung von Patienten mit schubweise-remittierender MS. Damit soll die fortschreitende Behinderung der Patienten verzögert und die Häufigkeit der Krankheitsschübe verringert werden. Der Ausschuß empfiehlt die Verwendung des Medikaments sowohl bei Patienten mit hochaktiver schubweise remittierender MS, die nicht auf eine Behandlung mit Beta-Interferon (auch hier wieder ...) angesprochen haben, als auch bei Patienten, die rasch eine schwere schubweise remittierende Erkrankung entwickelt haben. Die Zulassung gilt nur für die Monotherapie.
Nach der Wiederzulassung von Tysabri® (Natalizumab) kam es zu den erwartet/ befürchteten PML-Erkrankungen. Hier eine Tabelle mit den wichtigsten verfügbaren Daten. (Wichtig: Seit Juli 2009 veröffentlicht Biogen weitere PML-Fälle nicht mehr einzeln. Sie sollen nur noch ominösen Fachkreisen zugänglich gemacht werden.)
PML-Erkrankungen unter Tysabri (chefarztfraulicher:beobachter)
| Haftungsausschluss |
|
© 2000 - 2010   mb ( http://www.muskl.de ) |