Interferone sind Eiweiße, die als Immunantwort von körpereigenen Zellen auf Infektionen gebildet werden. Die bei MS eingesetzten Beta-Interferone sind gentechnisch hergestellte Substanzen. Das Interferon-Beta wirkt Entzündungshemmend, verändernd auf das Immunsystem. Unter anderem wird durch Interferon-Beta die Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke beeinflusst. Entdeckt wurden die Interferone bereits Ende der 50er Jahre, als Botenstoffe des Immunsystems, sobald Zellen von Viren befallen worden sind. Später wurde bekannt, dass Interferone nicht nur gegen Viren wirken, sondern auch Entzündungshemmend sind und Krebszellen vernichten. Die Interferone fielen aber in den klinischen Prüfungen gegen die meisten Viruserkrankungen, ebenso durch wie gegen zahlreiche Krebsarten. Es blieb eine mögliche immunmodulatorische Wirkung bei Autoimmunerkrankungen, die darauf beruht, dass das Immunsystem körpereigenes Gewebe angreift. Später (90er) kristallisierte sich das Interferon-Beta als bedingt Wirkungsvoll bei MS heraus und wurde schließlich in leicht abgewandelte Form, als Medikament zur Behandlung der schubförmig verlaufenden MS zugelassen.
Es gibt mehrere Hersteller dieses Medikamentes, die Mittel haben die annähernd gleiche Wirkweise - und den annähernd gleichen Preis. Das Medikament wird in verschiedenen Zeitabständen entweder unter die Haut gespritzt (subkutan), oder direkt in einen Muskel (intramuskulär). Die Behandlung können Erktankte selber vornehmen. Vorher lernen sie in der Praxis des verordnenden Arztes, wie sie vorgehen müssen. Mögliche Unterstützung gibt es auch von speziell ausgebildeten Krankenschwestern. Wichtig sind in jedem Fall engmaschige Kontrollen durch den behandelnden Arzt, um eine gute Verträglichkeit der Behandlung zu erreichen und sich verändernde Krankheitsaktivität zeitnah zu erkennen.
Die Schubhäufigkeit und die Schwere der Schübe konnten teilweise durch Interferon-Beta gesenkt werden, verschiedene Studien sprechen von ca. 30 % - also bleibt im Schnitt einer von drei Krankheitsschüben aus. Im Kernspintomogramm (MRT) zeigte sich teilweise weniger Krankheitsaktivität. Betroffene mit sekundär-chronischen Verlauf, haben scheinbar keinen Nutzen von der Interferon-Therapie. Es sei denn, die Erkrankung äußert sich noch in Schüben, oder im MRT sind einzelne Entzündungen nachweisbar.
Die Gabe dieser körperfremden Eiweiße kann zu einer Abwehrreaktion des Immunsystems führen. Dadurch können sich neutralisierenden Antikörper bilden, die eine Interferon-Behandlung wirkungslos machen. Die Entstehung von Antikörpern wird bei etwa 35% der mit Interferon behandelten Erkrankten beobachtet. Verschiedener Wissenschaftler/Ärzte fordern einen standardisierten Schnelltest, um die Antikörper früher und schneller festellen zu können - und nicht erst nach einer jahrelangen, wirkungslosen Behandlung. Sie fordern eine Antikörper-Bestimmung als Standard bei der Interferon-Behandlung - verständlicherweise ist die Pharmaindustrie nicht dieser Meinung.
In den meisten Fällen sind Nebenwirkungen möglich, so z.B.: Grippeähnliche Erscheinungen, allgemeines Krankheitsgefühl, Muskelschmerzen, Müdigkeit, Blutbildveränderungen und Depressionen. Wegen dieser Nebenwirkungen müssen häufig zusätzliche Medikamente eingenommen werden, wie Schmerztabletten (wegen Grippeähnliche Erscheinungen und Schmerzen), Magenschutzmittel (wegen der Schmerztabletten), so wie Antidepressiva. An den Injektionsstellen kann es zu so genannten Hautirritationen kommen.
Die Therapie mit Interferonen wird inzwischen mit einer möglichst früh einsetzende Vergabe empfohlen, dass sagen verschiedenen Studien aus - und verständlichweise die Hersteller des Medikaments. Die wissenschaftlichen, medizinischen, wirtschaftlichen und pharmazeutischen Geister, streiten sich allerdings ständig über das Verhältnis von Wirksamkeit und Preis - eine Interferon-Jahresdosis kostet … sehr viel Geld (so ca. 30.000 Euro - 32.000 Euro). Sie streiten sich auch über die Aussagekraft von Studien, die oft von den Pharmaunternehmen "gesponsort" werden. Die hohen Kosten des Medikaments, erklären die Pharmaunternehmen mit den Ausgaben für die Forschungs-Investitionen, so wie der weiteren Forschung an neuen Medikamenten. Einige Experten finden das bedenklich, weil oft die Ausgaben für Werbemaßnahmen um ein mehrfaches höher sind, als der jeweilige Forschungsetat. Auch existieren keine "Studien" über das europäische Preisgefüge für Interferone, sind sie doch beispielsweise in Italien um 74 (vierundsiebzig) Prozent günstiger (Untersuchung der KKH-Allianz).
Auch existieren bislang keine Studien dazu, wie lange die Gabe von Interferon nützlich ist. Wenn es "genutzt" wird, sollte man es fortzusetzen, solange die Zahl und die Schwere der Schübe geringer sind, als vor der Aufnahme der Behandlung. Und/oder solange keine gravierenden Nebenwirkungen die Lebensqualität des Betroffenen einschränken. Falsch wäre es, die Therapie mit Gewalt und ohne Rücksicht auf den Körper "durchzuziehen", falsch aber auch, beim geringsten Wehwehchen die Therapie abzubrechen. Bekannterweise ist die MS eine sehr schwere Erkrankung, deren Symptome man nicht mit Zuckerwasser beeinflussen kann - oder indem man auf Schokolade oder Nüsse verzichtet.
Sollte sich der Krankheitsverlauf unter der Behandlung mit dem jeweiligen Interferon nicht bessern oder massiv verschlechtern, besteht die Möglichkeit, auf ein anderes Interferon umzusteigen. Es gibt für Erkrankte auch eine Reihe anderer Medikamenten-Optionen, deren positive Wirkungen aber ähnlich zweifelhaft sind - ein Dasein als "Versuchskaninchen" ist dem Erkrankten sicher. Zumindest über den Preis muss man sich keine Gedanken machen oder ein schlechtes Gewissen entwickeln - fast jedes Medikament spielt auf wunderbare Weise in derselben Preisklasse.
Heilen kann Interferon die Multiple Sklerose nicht. Die vermeintliche Sinn und Zweck dieser Behandlung liegt darin, dass Erkrankte eventuell Zeit gewinnen können.
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