Multiple Sklerose eine das Abwehrsystem (Immunsystem) betreffende Erkrankung. Azathioprin ist ein Immunsuppressiva, also ein Medikament, dass das Abwehrsystem, das im Falle einer MS falsch arbeitet, unterdrückt (supprimiert) - grob gesagt.
Es ähnelt einem Baustein der DNA (Erbsubstanz) und behindert auf diese Weise die Zellteilung in Geweben. Da sich auch die Zellen des Immunsystems, bei Vorliegen einer Entzündungsreaktion, schnell und häufig teilen, werden diese Vorgänge von Azathioprin gehemmt, ganz allgemein, ohne auf bestimmte Zellen zu zielen. Insofern hat Azathioprin auch Einfluss auf verschiedene Ebenen der Entzündungsreaktionen im zentralen Nervensystem. Allerdings ist der genaue Mechanismus noch nicht abschließend bekannt, obwohl das Medikament, in der Behandlung der MS, schon seit den 60er-Jahren eingesetzt wird.
Die Substanz konnte zwar in mehreren Studien die Schubrate gegenüber einem Plazebo um 30 bis 40 Prozent (also bessere Ergebnisse in der Verminderung der Schubrate, als z.B mit Interferon oder Glatirameracetat (Copaxone)) senken, aber da diese Studien älter sind und nicht mehr dem Standard entsprechen, ist die Effektivität in der Therapie der schubförmigen MS nicht eindeutig geklärt. Vergleichsstudien mit meueren MS-Medikamenten, z.B. Beta-Interferone, fehlen bisher - und werden sicherlich auch in Zukunft nicht gemacht werden (welcher Hersteller will schon ein Niederpreisiges Medikament (ca. 100 Euro/Monat), gegen ein Hochpreisiges Medikament (ca.1200 Euro/Monat) weiter entwickeln). Eine retrospektive MRT-Studie zeigte eine 39%ige Reduktion der Zahl zerebraler Entzündungsherde nach Azathioprin verglichen mit einer unbehandelten Kontrollgruppe. Studien über eine bedeutsame Verlangsamung der Krankheisprogression, brachten keine wesentlichen Ergebnisse.
Anfänglich hatte man hohe Erwartungen in den Wirkstoff gesetzt, im Laufe der Zeit aber, hat Azathioprin in der Behandlung der MS an Bedeutung verloren. Dennoch ist die Gabe von Azathioprin bei Multipler Sklerose vielfach sinnvoll. Die Zielgruppe sind Patienten mit schubförmiger MS, wenn eine immunprophylaktische Therapie angezeigt ist. Wie bei allen Medikamenten gegen MS, ist der Behandlungserfolg aber nur mit der Statistik wissenschaftlich messbar - persönlich sind eine Reihe von Erkrankten mit einer Azathioprin-Dauertherapie sehr zufrieden, da scheinbar dadurch ein stabiler Verlauf erreicht werden konnte.
Azathioprin ist derzeit das einzige Medikament, das als Tablette eingenommen werden kann - sein Vorteil. Die Verträglichkeit ist individuell verschieden - wie bei den anderen Medikamenten auch. Eine Reihe von Nebenwirkungen sollten nicht unterschätzt werden, z.B.: Blutbildveränderungen (ständige Kontrolle muss sein), Magen-Darm-Störungen und Leberstörungen. Man darf während der Einnahmezeit und in einem gewissen Zeitraum danach, keine Kinder zeugen, also sollte während der Therapie zuverlässig verhütet werden.
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