Werden Nervenfasern im Bereich des Kleinhirns oder in seinen Verbindungsbahnen von der MS befallen, treten Koordinationsstörungen auf. Sichtbar ist es z.B. durch Zittern, unsicherem Gang, beim sitzen oder stehen, durch eine abgehackte oder lallende Sprache.
Es bestehen Schwierigkeiten, gezielte Bewegungen auszuführen, z. B. Getränke an den Mund zu bringen. Das Zittern kann so stark sein, dass geplante Bewegungen nicht machbar sind. Das führt zu Wutausbrüchen, wobei der Betroffene sich selbst die Schuld an dem Unvermögen gibt. Oft wird das Unvermögen durch erneute Versuche provoziert, weil es einfach nicht akzeptiert werden kann, dass der Körper vorgibt was und wie es gemacht wird.
Es können Unsicherheiten beim Sitzen, Stehen oder Gehen auftreten. Der unsichere Gang beim Erkrankten, wird oft von Außenstehenden mit dem Gang eines Betrunkenen verwechselt. Das führt zwangsläufig zu peinlichen und kränkenden Situationen. Einerseits selbst die Unsicherheit beim Gehen zu spüren, damit auch die Angst vor dem Gehen in der Öffentlichkeit zu bekommen, andererseits noch Spott von der Umwelt dafür zu ernten. Viele MS-Betroffene fühlen sich im Gehen behindert, gerade dann wenn sie sich besonders darauf konzentrieren.
Eine weitere Störung durch den Befall des Kleinhirns ist eine Sprechstörung, mit der es schwierig oder unmöglich sein kann flüssig zu sprechen. Die Sprache wirkt oft abgesetzt, abgehackt und lallend. Je nach Ausprägungsgrad sind Sprachstörungen besonders behindernd und können den Erkrankten sozial isolieren. Er wird damit des wichtigsten Kommunikationsmittels beraubt, um zu seinen Angehörigen, bei der Arbeit oder im Freundeskreis Kontakt zu haben und zu halten. Es erfordert viel Geduld vom MS-Kranken und vom Gesprächspartner, immer wieder zu versuchen, dass Gespräch langsam und ruhig zu führen.