Die hier aufgeführten Schmerzen sind die Bekannteren. Wo und wie man überall Schmerzen haben kann weiß ich, durch Kontakt zu vielen Betroffenen und seit dem ich MS habe. Es ist also beliebig erweiterbar, unter Schmerzen leidet schließlich jeweils der Erkrankte. Körperlich gibt es die schmerzbedingte Zunahme durch Bewegungsarmut, das Einnehmen von Schonhaltungen mit Fehlbelastungen der Gelenke und Muskeln. Auf seelischer Ebene spielen vor allen Dingen depressive Verstimmungen, ein Gefühl von Ohnmacht, Müdigkeit und Erschöpfung sowie Angst vor weiteren Einschränkungen eine Rolle. Chronische Schmerzen sind gleichzeitig mit Konflikten in der Familie, im Arbeitsverhältnis sowie im Freundeskreis verbunden. Am Ende kann das zu einem weitgehenden Rückzug in die Isolation führen.
Im Verlauf der Krankheit tritt bei einigen MS-Erkrankten eine Trigeminusneuralgie auf. Kurze, messerscharf stechende Schmerzen in einer Gesichtshälfte, die sich auch wiederholen können. Die können so unerträglich sein, dass sie kaum auszuhalten sind. Dabei kann es auch selten zu regelrechten Dauerattacken kommen. Vom Gefühl her ist es, als wenn ein Blitz vom Kiefer aus bis in die Stirn fährt. Häufig kann auch das Lhermitte-Zeichen ausgelöst werden. Durch vorbeugen des Kopfes entsteht ein elektrisierendes Kribbeln, das von der Wirbelsäule ausgehend über die Schultern in die Arme geht, manchmal wird es als Schmerz wahrgenommen. Im Hirnstamm laufen Bahnen entlang, die willkürliche Muskelbewegungen steuern, durch Entzündungen in dem Bereich werden diese beeinflusst. Dabei kommt es zu ungewollten und überschießenden Bewegungen, vor allem mit den Beinen ist das unangenehm. Kurze schmerzhafte Krämpfe der Muskulatur sind häufig der Fall.
Oft werden MS-Erkrankte durch brennende oder ziehende Missempfindungen (Parästhesien) belastet. Sie lassen sich durch entzündliche Veränderungen des Rückenmarks erklären. Gerade solche Missempfindungen, sind sehr häufig durch periphere Nervenschädigungen (außerhalb des Zentralnervensystems) verursacht. Auftreten können sie an jeder Körperstelle, unangenehm in einer Partnerschaft, sollte dann aber unbedingt benannt werden. Bei den relativ häufig auftretenden Sehnervenentzündungen bestehen auf der entsprechenden Seite häufig Schmerzen hinter dem Augapfel, insbesondere wenn das Auge bewegt wird. Bei dem typischen Krankheitsanzeichen für Multiple Sklerose kann es durchaus sein, mal für 6 Monate eine Brille tragen zu müssen. Der Weg zum Augenarzt ist notwendig.
Den oft bestehenden Blasenstörungen kann immer mal eine Blasenentzündung folgen, die mit krampfartigen Schmerzen im Unterleibsbereich verbunden ist. Solche treten aber auch manchmal durch Spasmen (Spannung, Widerstand) der Muskulatur ohne gleichzeitig bestehende Infektion auf. Nicht jeder Schmerz ist eine Blasenentzündung, häufig ist es auch einfach ein Zeichen dafür, zuwenig getrunken zu haben. Gehäuft treten auch chronische Rückenschmerzen oder chronische Muskelschmerzen auf. Sie sind meist Folge der übermäßig starken Anspannung der Muskulatur, der Spastik und daraus folgenden Fehlbelastungen.
Ein Nervenschmerz kann jederzeit und ohne besondere Veranlassung auftreten. Meistens geht er wie ein Blitz durch Arme oder Beine, im ungünstigsten Fall ist er andauernd.