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Wer viel Charakter hat, hat wenig Eigentum. (Osborne)

Ursache - Wirkung
- von Michael

Begonnen hatte alles mit einem ausgeruhten Morgen, an dem die Sonne jedem Individuum aus dem Hintern zu lächeln schien. Die Menschen wandelten an ihrem Fenster vorbei, trunken vor sonniger Glückseligkeit und freuten sich augenscheinlich ihres Vorhandenseins. Zufriedenheit strahlte sie von unten an - oder leuchtete da etwa die allgemeine Intelligenz herauf.

Sie stand in ihrer Wohnung, am Fenster zur Straße und blickte auf das Gewusel der Leute. Viel mehr als Gewusel konnte sie das Herumirren der willentlich Orientierten nicht nennen. Bestimmt dachten alle, das sie wussten wohin und sicher auch wie, aber als was sie ankommen würden, bestimmt nur im unwachen Geiste. Wie konnten sich die da unten so sicher sein, dass sie nicht von oben mit Blumentöpfen, Stahlträgern oder Mittelstreckenraketen nach ihnen warf. Manchmal war ihr danach, zum Glück hatte sie es nie laut erwähnt oder es getan, sonst würde sie sich vermutlich schon lange gegen eingebaute Gummiwände werfen.

Eines von diesen Säugetieren stand gerade hechelnd hinter ihr, sie wünschte es wäre ein Mann, aber es war ihr Hund. Ein mittelgroßer Vierbeiner, zwischen den grauen, noch lange, schwarze zottelige Haare, jetzt freundlich hechelnd, weil er etwas wollte. Der Blick konsequent bittend mit dem finsteren Unterton, dass Frauchen sich jetzt doch mal gefälligst beeilen sollte. Die Augen waren das schlimmste an ihm, der Hund konnte innerhalb von zwei Minuten die Augengefühlslage mindestens fünfmal ändern. Das Wissen es zu bekommen, irgendwann sowieso, was auch immer, was er wollte, strahlte aus seinen überzeugten Augen. Er war sich einfach sicher, nichts konnte dieses Wissen umstoßen. Wer jemals einen alten Hund besessen hat, oder besser gesagt, der Hund einen jemand, weiß wo von gerade erzählt wird.

Diese Tiere sind nett, wenn sie wollen, ein Freund, wenn sie wollen und ansonsten ein Quälgeist ohne jede Hemmung. Manchmal oder oft sind sie davon überzeugt, dass sie etwas ganz dringend brauchen, allerdings ist alles was sie brauchen dringend, dann stehen sie einfach nur da und warten. Zwischendurch kommt immer wieder eine Erinnerung, dass sie immer noch warten, das kann ein kurzes Bellen sein, ein leidvolles Schniefen, oder sie legen sich einfach irgendwo, aber mitten in den Weg. Die überwältigende Kenntnis der Geometrie und das räumlich taktische Vorstellungsvermögen auf dreidimensionaler Basis ergeben einen Platz, der vom Menschen garantiert am häufigsten begangen und somit massiv gestört wird.

Das ist dann spätestens der Moment, an dem sie anfängt mit ihrem Hund eine Grundsatzdiskussion zu führen. Sie weiß von vornherein, dass sie verlieren wird und zwar haushoch, aber immer besteht eine Chance auf einen Kompromiss. Das ist natürlich nicht ihr Kompromiss, der Hund setzt eben hoch an und ist eigentlich immer mit dem Ergebnis zufrieden. Allerdings scheint der Zufriedenheit eine Zeitspanne gesetzt, sie könnte schwören, dass es streng durchkalkuliert ist. Im Prinzip ist es egal um was es geht, Futter, Gassi oder Streicheln, nur sofort muss es sein. Wenn ihr Fellbündel tatsächlich mal nicht bekommt was er verlangt, sein Frauchen sich einbildet mal einen Kampf konsequent gewinnen zu wollen, verzieht er sich maulend in die Ecke und versucht es drei Minuten später erneut.

In ihren Wachträumen vom gemeinsamen Leben mit dem Hund, besorgte sie dem energischen Vierbeiner einen Job als Vertreter und der würde dann Kühlschränke an Eskimos verkaufen. Er würde da im Eis stehen, die Eskimos fordernd anblicken und entschlossen warten, wenn nötig bis der Iglu einfriert. Irgendwann würden die Eskimos aufgeben, den Vertrag unterschreiben und ihre Tränen wegfegen. Ihr Nachteil dabei wäre, sie müsste ebenfalls anwesend sein und ihn aufgrund seiner Großartigkeit lobend streicheln. Anschließend müsste sie sich allerdings um die Eskimos kümmern, damit sich keiner von ihnen depressiv in ein Eisloch stürzte und in die ewigen Eisgründe einging.

Wieder zurück in der Realität, drehte sie sich entschlossen ihrem Herrscher zu. Auf die Frage nach seinem Bedürfnis, kamen ein leichtes Schwanzwedeln und ein langer, fordernder Blick. Sie überlegte, welcher Art der Zuwendung oder Notwendigkeit zeitlich dran wäre, aber das Gewohnte war nicht fällig. Dann konnte es nur eine Futtersonderzulage, Sondergassi oder eine der beliebten Zwischenstreicheleinheiten sein. Nach Gassi gehen sah es nicht aus und ein Hundekuchen war schnell von ihm inhaliert, streicheln fand er natürlich toll. Allerdings zog er dann nicht zufrieden von dannen und brach auf seiner Hundedecke zusammen, sondern stand weiterhin mit einem treuherzigen Blick vor ihr.

Ziemlich ratlos standen sie sich gegenüber, es war inzwischen zwölf Uhr Mittags. Plötzlich kam ein lang gezogener, dumpfer Ton aus dem hinteren Bereich des Hundes. Es war nicht laut, eher wie ein unsicher auf einer Tuba gespielter Ton. Der Vierbeinige hatte noch nicht einmal einen verschämten Blick dafür übrig, sonder staunte verklärt in die Welt. Sie stand noch eine kurze Weile abwartend da und dann nahm sie es wahr, langsam schob sich ein Geruch von ewiger Fäulnis durch ihre Nasenflügel. Dann war es fast so, als würden bunte Sonnen vor ihren Augen explodieren, ihre Schleimhäute schienen sich aufzulösen und sämtliches Geruchsempfinden sich für alle Zeit verabschieden zu wollen. Abscheu, Ekel und Brechreiz durchfluteten ihre Gehirnwindungen, langsam fraß sich der Hundefurz in die Wahrnehmung und betäubte alle ihr mächtigen Sinne.

Das ihre mittelgroße Lieblingskatastrophe so etwas schon mal machte, war nichts Neues, aber bisher hatte er ihr noch nicht Auge in Auge und bewusst gegenübergestanden, als wollte er ihr damit etwas sagen. Als sie den ersten Schock überwunden hatte, beugte sie sich zu ihm herunter und tastete seinen Bauch ab. Vielleicht rumorten Schmerzen und quälten seine Innereien, gerade in der letzten Zeit hatte viel von Krebsfällen bei Hunden gehört und gelesen. Vor Schmerzen jaulen tat er ja nicht gerade, allerdings hatten Hunde auch eine höhere Schmerzgrenze. Sie griff nach seiner Schnauze und zog den Kiefer auseinander, seine Zähne und Zunge waren ungesund gelblichbraun verfärbt. Sorgenvoll betrachtete sie ihren, irgendwie schuldbewusst schauenden Vierbeiner.

Kurz entschlossen warf sie sich einen Mantel über, nahm ihren Hund an die Leine und verließ beunruhigt ihre Wohnung. Sie musste mit ihm zum Tierarzt, wer weiß, was er durchmachte und was noch kommen würde, vielleicht konnte ihn noch ein rechtzeitiger Eingriff retten. Eilig zog sie ihren widerstrebenden Hund zur Bushaltestelle, er schien zu bemerken, dass es zum Tierdoktor ging. Man kann nicht gerade behaupten, dass der Arzt und er Freunde waren, wenn er diesen verdammt konsequenten Menschen nur sah, war es vorbei mit Schwanzwedeln. Der Tierarzt ließ ihm keine Chance, welche Mittel er auch einsetzte.

An der Haltestelle mussten sie nur kurz warten, bis der zur Hälfte gefüllte Bus vor ihnen hielt und sie einsteigen konnten. Frauchen saß in der Mitte des Busses, er lag in dem größeren Freiraum davor, der normalerweise für Kinderwagen reserviert war. Die anderen Mitfahrer betrachteten sie freundlich, mit ihrem netten Hund schwamm sie eigentlich immer auf der Sympathiewelle. Eine Ausnahme machten da natürlich die notorischen Hundehasser, es schienen aber keine im Bus zu sein. Der arbeitete sich langsam durch den dichten Verkehr, sie kraulte ihren hilflosen Diktator beruhigend an den Ohren. Mitten im dichtesten Verkehrsgewimmel, jenseits jeder Bushaltestelle, erklang plötzlich wieder das ihr vertraute Geräusch. Lang gezogen und Laut ließ ihr Hund wieder einiges an überflüssiger Luft ab.

Einige Leute kicherten, andere zuckten entrüstet mit den Augenbrauen, aber die meisten bedachten sie mit einem milden, verständnisvollen Blick. Alle hatten eins gemeinsam, sie wussten nicht was sie wusste, hatten die Folgen dieses kleinen Bebens noch nicht erlebt. Sie nahm die biologische Attacke als erstes wahr, sofort stellte sich das Flimmern vor Augen und der Brechreiz ein, ihrem trockenem Mund entrang sich ein leises aufstöhnen. Ein Duft nach unterster Biotonne zog langsam durch den Bus, ein Teil davon bei jedem Fahrgast hinterlassend. Sie hatte noch nie eine so große Anzahl an Gesichtsentgleisungen auf einmal gesehen, die Gesichtszüge verzerrten sich und zerflossen ins Nichts. Ekel füllte die Augen aus und vermehrtes Schlucken dokumentierte den vielfachen Brechreiz. Hier und da entwich der gequälten Seele ein Stöhnen. Nach kurzer Zeit kam ein Gefühl von allgemeiner Panik auf.

Das der Dunst des Grauens auch den Busfahrer erreicht hatte, merkte man an einer kurzen, aber übertrieben heftigen Bremsbewegung, die den Bus leicht ins Schlingern brachte. Heldenhaft fuhr er noch ein Stück, bevor der Fahrer den Bus auf den Seitenstreifen fuhr, scharf bremste und alle Türen öffnete. Hinter dem Bus stauten sich aufgrund dieser Maßnahme die Autos, ein Stück weiter hinten schien es einen Auffahrunfall gegeben zu haben. Nicht nur das schnelle Kreuzen der Fahrbahn und die Vollbremsung des Busses führten zu diesem Chaos, auch die vielen Fahrgäste, die angewidert aus dem vierrädrigen Duftgefängnis flohen, taten ihren Teil dazu. Eine wilde Meute von Fahrern und Mitfahrern hatte sich inzwischen draußen angesammelt, jeder nach einem Schuldigen suchend.

Endlich traf die Polizei ein, um das wirre Knäuel aus Menschenfleisch zu entflechten, das sich neben dem Omnibus drängelte. Sie saß noch als einzige im Bus, ihr treuester und Freund aller Menschen lag zu ihren Füssen und rührte kein Bein. Der Busfahrer zeigte in ihre Richtung, der Polizist bedachte sie mit einem ungläubigen Blick. Ihre ehemaligen Mitfahrer unterstützten aber lautstark die Aussage des Fahrers und weigerten sich, jemals wieder in diesen Bus einzusteigen, zumindest so lange die Biotonne auf vier Pfoten noch drin war. Auch das kopfschüttelnde Zureden der Polizisten ergab keine Lösung, die Fahrgäste blieben hart und forderten die Verbannung des Hundes. Also ersuchten die Hüter der Ordnung sie und ihren Hund den Bus zu verlassen, sie könnten bei ihnen im Streifenwagen bis zu Tierarzt mitfahren.

Angewidert von so viel schnöder Intoleranz, verließ sie den Bus, würdigte den herum stehenden Ignoranten kleiner Schwächen keines Blickes mehr und stieg, nach ihrem Hund, in den Polizeiwagen. Zum Glück waren es nur noch wenige Straßen bis zu ihrem Tierarzt, dort würde sich schnell das Rätsel aller Hundeprobleme lösen. Dankbarkeit machte sich auch in ihrem Hund breit, er zeigte es durch ein heftiges Schlecken der Nackenmuskulatur des Beifahrers. Nach der Abwehr dieser gut gemeinten Zärtlichkeitsattacke, legte er sich friedlich neben sie auf den Rücksitz und entschlummerte langsam in sein persönliches Nirwana.

Nur wenige Straßen vor ihrem gemeinsamen Ziel wurde es neben ihr unruhig, der Hund schien sich zu strecken. Beim anschließenden Zusammenziehen seines Körpers, gab es nicht das schon vertraute Geräusch, etwas das sie ungemein beruhigte, aber irgendwo zischte es, als würde die Luft aus einem Reifen heraus gelassen. Nur ein paar Augenblicke später wusste sie, das für ein Verhängnis dieser Art kein Laut notwendig war. Der hintere Bereich des Polizeifahrzeugs, füllte sich mit unsichtbarem Schwaden von undefinierbaren Geruchspartikeln, die meilenweit über der Ekelgrenze lagen. Vor ihren Augen sah sie ganz deutlich, wie sich ihre Nasenschleimhäute einrollten und lösten, um sich tief in den Nebenhöhlen zu verbergen.

Sie liebte ihren Hund und damit auch seine kleinen Schwächen, aber augenblicklich war sie kurz davor, jede Beherrschung zu verlieren. Sie konnte nur knapp eine unbedachte Reaktion vermeiden, befand sich nur kurz vor abgrundtiefer Gewalttätigkeit. Für diese Gedanken war sie sicherlich nicht verantwortlich, normalerweise neigte sie nicht dazu, aber ein feiner, klebriger Film des gerochenen Grauens schien sich über ihr Gehirn gelegt zu haben. Dort verursachte er Kurzschlüsse, die vor ihren Augen zu einem bunten Feuerwerk aus kleinen Explosionen führten. In diesem Moment wünschte sie sich weit weg, eine gut duftende Insel, auf der ein leichter Windhauch sanft durch ein riesiges, wohlduftendes Blumenfeld strich. Die Insel war allerdings ein Traum und nicht zu erreichen, aber vielleicht könnte sie zuerst einmal und praktischerweise einen Korken besorgen, der an der richtigen Stelle platziert, die Dufthölle vorerst verschließen könnte.

Der Geruch aus tausend und einem Darm füllte schnell das gesamte Wageninnere aus und hinterließ eine Spur der psychischen und physischen Verwüstung. Vorn saßen, beziehungsweise hingen die beiden Polizisten heldenhaft in ihren Sitzen, versuchten japsend nur durch den Mund zu atmen und ihr verengtes Blickfeld unter Kontrolle zu bringen. Die Bewegungen der Ordnungshüter waren fahrig und hektisch, die Feinmotorik ließ zu wünschen übrig. Wie bei Erstickenden, füllte sich alles in ihnen mit Panik.

Während der Beifahrer sich ganz auf seine Atmung konzentrieren konnte, musste der andere auch noch das Fahrzeug bedienen. So konnten erstaunte Passanten an einigen Straßen entlang, ein schlingerndes Polizeifahrzeug beobachten, bei dem hin und wieder Blaulicht oder Martinshorn ausgelöst wurde, manchmal gab es auch nur den Warnblinker oder ein einfaches Hupen. Auf jeden Fall klang es nach Fehlfunktionen, denn alles passierte nur kurz, bruchstückhaft und nicht gewollt. Außerdem sah es nicht wie eine Verfolgungsjagd auf flüchtende Räuber aus, eher so, als würden sie selbst verfolgt. Nachdem sie beinahe eine beträchtliche Anzahl an Passanten überfahren hätten, besonders die Hunde an der Leine führten waren sehr gefährdet, kamen sie endlich vor der Tierarztpraxis an.

Sofort rissen sie die Türen auf und explodierten nach draußen, alles im Stich lassend, was irgendwie nach Würde und Beherrschung aussah. Sie verließ ruhig den Wagen mit ihrem freundlich lächelnden Hund und bedankte sich bei den Polizisten für ihren tollen Service. Die Grünjacken nickten schwach und verabschiedeten sie mit einem gequälten Lächeln, in das sich aber langsam unendliche Erleichterung mischte. Schnell stiegen sie ein und fuhren davon, fluchend über ihre Berufswahl und fehlender Gefahrenzulage. Sie hinterließen ein ihnen nachblickendes Pärchen aus Mensch und Hund, die nun an ihrem ersehnten Ziel angekommen waren. Sie drehte sich um und zog ihr, inzwischen widerborstiges Tier zur Haustür und betätigte die Klingel. Das war für den Hund das letzte Zeichen der Erkenntnis, wo er sich befand und was und wer nun folgen würde.

Auch nach dem dritten Klingeln wurde nicht geöffnet, nach dem fünften vergeblichen Versuch bemerkte sie das kleine Schild weiter unten an der Tür. Die Praxis war geschlossen, auch ein Tierarzt brauchte mal Urlaub. Sie war dem Zusammenbruch nahe und erblickte neben sich einen Hund, dessen hoffnungsvoller Blick sich in ihre Augen bohrte. Inzwischen kam von ihm schon wieder ein zaghaftes Wedeln, die Gefahr schien gebannt. Auf dem Schild stand Urlaub bis, aber kein Wort über eine Vertretung der Praxis, an die sie sich nun wenden könnte. Unschlüssig und irgendwie verloren stand sie auf dem Bürgersteig und verfluchte sämtliche Tierärzte.

Natürlich hätte sie vorher anrufen können, aber in der Notlage ihres geliebten Vierbeiners, hatte sie keinen Gedanken daran verschwendet. Nach einem Blick auf den Hund, der eigentlich ziemlich gesund aussah, machte sie sich entschlossen auf den Heimweg. Auf irgendwelche Transportmittel verzichtete sie, das was sie bisher durch gemacht hatte, reichte ihr völlig. Es wurde ein ausgedehnter Spaziergang, der Weg zurück in ihre Wohnung. Die Straßen zogen sich endlos dahin, Ihre Füße brannten auf dem langen Weg und die Muskeln schienen sich immer mehr zu verkrampfen, kleine Schweißperlen liefen auf ihren Körper um die Wette.

Bisweilen warf sie einen nachdenklichen Seitenblick auf ihren Hund, der locker tänzelnd neben ihr ging. Er schien nicht erschöpft oder durch Krankheit ausgelaugt, freudig interessiert schaute er sich die Umwelt an, die ganze Sache schien ihm großen Spaß zu machen, zufrieden hechelte er neben ihr her. Nach, ihrem Gefühl, endlosen Stunden stand sie endlich vor ihrer Wohnungstür und zückte den Schlüssel. Kaum war die Tür einen Spalt breit auf, drängte sich ihr Hund mit Gewalt hindurch und flitzte freudig in die Wohnung. Sie schlich erschöpft hinter ihm her, dort erwartete er sie schon, schwanzwedelnd und mit festem Blick. Der Blick ging zwischen ihr und der Küche hin und her, als wollte er ihr etwas damit sagen.

Erschöpft, zerstört und willenlos ging sie in die Küche und fand dort ein wildes Durcheinander von Essensresten auf dem Boden. Es sah so aus, als hätte hier jemand in unendlicher Gier alles verspeist, dessen er habhaft werden konnte. Inmitten des Durcheinanders lag die blaue Plastikschüssel, die heute Morgen noch auf dem Tisch gestanden hatte, Drumherum verteilten sich die kümmerlichen Reste des Inhalts. In diesem Zustand sah es nicht gerade appetitlich aus, hier und da Spritzer einer braunen Masse, vereinzelnd durchsetzt mit kleinen, verschieden farbigen, undefinierbaren gelben Bröckchen. Allerdings war das nur noch der kümmerliche Rest vom Inhalt.

Gestern hatte sie ein paar Freunde zum Essen eingeladen und dafür etwas ganz besonderes vorbereitet. Dieses Gericht war ihre absolute Spezialität, sie hatte es in der Zusammenstellung der Zutaten und in der Würze bis zur Perfektion entwickelt. Ihre Freunde freuten sich jedes Mal, wenn sie zu diesem Gericht einlud, auch wenn alle an die eventuellen Nachwirkungen dachten. Trotzdem es wieder mal vorzüglich geschmeckt hatte und alle mit großem Appetit aßen, blieb doch ein Rest, den sie in die blaue Schüssel goss. Die ließ sie auf dem Küchentisch stehen, mit der festen Absicht sie später in den Kühlschrank zu stellen. Aber es wurde noch ein langer Abend mit den Freunden, an dessen Ende sie todmüde ins Bett fiel.

Sie stand mitten in den Essensresten ihrer verwüsteten Küche, als sie sich umdrehte stand hinter ihr das geliebte Hundchen. Er hatte etwas getan, was er nicht durfte und auch sonst nicht machte. Sie blickte ihn strafend an, er aber war weder niedergeschlagen, noch unendlich schuldbewusst. Seine freundlich blickenden Augen und die gesamte Körperhaltung schienen nur eins auszudrücken, gib mir mehr davon und zwar schnell, ich habe schließlich Hunger. Aber diesmal würde sie nicht auf seine bühnenreife Aufführung herein fallen, seinem Blick standhalten, sie war schließlich diejenige, die hier bestimmte wo es lang ging. Konsequent wies sie ihm den Weg zu seiner Hundedecke, den er dann auch sehr traurig blickend und nahe dem Zusammenbruch antrat. Er legte er sich hin und rollte sich still zusammen.

Nachdem sie das Chaos in ihrer Küche beseitigt hatte, fasste sie zwei Entschlüsse. Zum einen, ab sofort konsequenter in der Erziehung des Hundes zu sein. Zum anderen, wenn sie schon ihren speziellen, extra scharfen mexikanischen Bohneneintopf kochte, die Reste im Kühlschrank zu lagern. Wenn ihr scharfer Bohneneintopf beim Menschen schon mal peinliche Auswirkungen haben konnte, bei ihrem Hund wirkte er verheerend. Nach einem letzten Blick in ihre saubere Küche, schaltete sie das Licht aus und ging ins Wohnzimmer.

Dort wartete schon, als hätte sie es geahnt, ihr vierbeiniges Fellbündel. Sie setzte sich in den Sessel, er kam, stellte sich vor sie, blickte sie an und wartete. Vielleicht war es nur Einbildung, aber in seinen Augen meinte sie die Worte "mexikanischer Bohneneintopf" lesen zu können.


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