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Erfahrungen sind Maßarbeit. Sie passen nur dem, der sie macht. (Levi)

Nachtschicht
- von Sabine

Sie stand am Fenster und beobachtete wie der Tag begann. Die ersten Vögel stimmten ihre Lieder an, erst zaghaft und vereinzelt, kurze Zeit später laut und lebensfroh. Der Tag konnte beginnen, er wurde begrüßt. Die Sonne war noch nicht zu sehen, aber sie verbreitete schon ihr Licht und streckte die Fühler aus. Der Himmel war wolkenfrei und die Dunkelheit verschwand langsam, nur noch einige wenige Sterne waren zu sehen. Alles was gestern war, war vorbei und wurde weg gewaschen von diesem neuen Tag. Sauber und frisch kam ihr der Tag vor.

Die Stadt war noch nicht zum Leben erwacht, alle schliefen noch. Aller Kummer und alle Sorgen die sie in der Nacht mit anderen geteilt hatte wurden klein und unscheinbar; sie verschwanden mit den Sternen in der Dunkelheit. Gleich würde sie einen Spaziergang machen. Das erste Erwachen der Stadt würde sich langsam zeigen, die Sonne würde alle Dunkelheit vertreiben. Sie genoss den frischen Duft der Gräser, die ersten Vogelstimmen und den Duft der Blüten am Morgen. Man konnte alles von sich abfallen lassen, seinen Gedanken freien Lauf lassen, ihnen zuschauen wie sie sich in Luft auflösten. Keiner unterbrach einen, nichts störte die morgendliche Ruhe.

Erste Insekten machten sich auf, den Tau auf den Gräsern zu trinken, Schmetterlinge steuerten die ersten Blüten des Tages an, angezogen vom Duft der Blüten, die langsam Farbe annahmen. Nach diesem Bad im neuen Tag konnte sie sich entspannen und auch endlich zur Ruhe finden. Viel zu schade um sich zum Schlafen hinzulegen und doch war sie zu müde um Wachzubleiben. Die Ruhe und den Frieden nahm sie mit in ihre Träume.

Als sie erwachte war der Tag schon alt, das Licht war gleißend, die Vögel waren nicht mehr so laut und fröhlich, die Insekten waren langsam hektisch geworden, die Schmetterlinge warteten auf den Abend. Sie streckte sich und hatte noch die Träume im Kopf, ruhte in sich selbst und konnte der Vergänglichkeit des Tages zuschauen. Nichts war von Dauer und doch ließ manches einfach ein schönes Gefühl zurück. Für sie war jetzt der Tag angebrochen, für andere endete er hier bald. -Verschobene Welten, verschobene Zeiten- Sie liebte das Gefühl allein zu sein, weil sie für kurze Zeit einen anderen Rhythmus lebte als die meisten anderen. Zog sich in dieser Zeit völlig in sich selbst zurück und war mit sich allein zufrieden. Die Arbeit lag vor ihr, aber auch die Probleme Anderer in dieser Nacht. Sie konnte sie ein Stück begleiten, ein bisschen von der Ruhe weitergeben die sie tagsüber und am Morgen getankt hatte.

Morgens würde sie die Probleme wieder an die Nacht zurückgeben und sie mit den Sternen verschwinden lassen, sich von der Sonne begrüßen lassen und ihren Gedanken Flügel wachsen lassen.


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