Wir sind wie eine große Fläche auf der Rasen gesät wurde, die Sorte wurde ausgewählt und er wurde gepflegt und beschnitten. Manche Pflanzen die sich ansiedeln wollten wurden entfernt, manches wurde gepflanzt. Irgendwann fangen wir selber an zu pflanzen, wir sind selbst die Gärtner.
Wir machen Fehler und lassen einige Teile brach liegen, pflanzen an anderen Stellen im Überfluss, sehen die Wiese an und stellen fest das es uns nicht gefällt. Fangen erneut an unsere Wiese einzurichten, lernen das es wichtig sein kann das es auch anderen gefällt. Versuchen die Wiese immer wieder umzugestalten, so daß sie anderen gefällt und uns auch noch. Die Aufgabe ist schwieriger geworden, denn was anderen gefällt muß uns nicht selbst auch gefallen. Es ist schwierig einen Mittelweg zu finden. Unsere Freiheit nur soweit gehen zu lassen das sie nicht die der anderen einengt oder zerstört. Wir lernen Verantwortung für unser Tun zu übernehmen.
Wir machen weiterhin viele Fehler, aber unsere Wiese und auch unsere Nachbarn sind meist geduldig, wir lernen aus ihnen und es gelingt uns zumindest an einigen Stellen besonders schöne Flächen zu entwerfen. Wir fangen an Spaß daran zu haben Pläne zu schieden und unsere Wiese zu gestalten.
Plötzlich setzt sich eine Krankheit fest, wir sind ratlos und denken viel darüber nach, ob sie nicht vielleicht die ganze Wiese zerstören könnte. Wir widmen uns mehr dem Gedanken, als der Pflege unserer Wiese, die ersten zarten Pflänzchen gehen ein, ohne das wir es überhaupt bemerken. Wir sind damit beschäftigt uns in Gedanken mit der Bekämpfung der Krankheit zu befassen.
Während die Krankheit die Wurzeln einiger alter und schöner Pflanzen angreift. Endlich fangen wir an gegen diese Krankheit etwas zu unternehmen. Wir streuen Gift auf die befallenen Stellen - es hilft nicht. Wir streuen noch mehr Gift auf alles und viele Pflanzen gehen an dem Gift ein. Wir sehen unsere Wiese an und finden sie in fast trostlosen Zustand. Wir sind ratlos. Soviel Mühe ist einfach dahin, soviele Pläne sind zerstört. Es ist nicht mehr wichtig ob anderen unsere Wiese gefällt, es wird immer wichtiger das sie uns selbst gefällt. Wir sehen jedes noch so kleine Sterben und leiden mit. Ratschläge und Ermutigungen von anderen Gärtnern werden nur noch bedingt entgegen genommen, wir errichten eine große Hecke damit niemand den Zerfall sehen kann. Die Hecke gedeiht prächtig und wird sehr hoch, schließlich haben wir ja auch ein schnell wachsendes Gestrüpp genommen. Dahinter sind wir nur noch selten zu sehen, wir können auch die anderen nur noch selten sehen.
Wir stehen verzweifelt auf unserem Grundstück, denn soviel ist eingegangen als wir mit der Bekämpfung der Krankheit und der Errichtung der Hecke beschäftigt waren. Es läßt sich nicht mal mehr unterscheiden welche Pflanzen tatsächlich an der Krankheit und welche an unserem Tun eingegangen sind.
Wir fangen ganz langsam erneut an zu planen und versuchen diesmal etwas vorsichtiger vorzugehen. Pflegen die Pflanzen die noch da sind und fangen neu an zu pflanzen. Wir sind allein, kein anderer Gärtner gibt uns Ratschläge, keiner der einem sagt ob das was wir da machen sinnvoll oder schön ist. Wir müssen selbst entscheiden und merken langsam wie schwer das ist. Es geht langsam voran, doch nach einiger Zeit blühen wieder die ersten Pflanzen, die Wiese hat weniger braune Stellen und wir finden es langsam wieder schön und fühlen uns wohl. Die Krankheit scheint gebannt und wir atmen erneut auf. Schmieden Pläne für die weitere Gestaltung, beschneiden sogar die Hecke und können auch wieder den Kontakt zu unseren Nachbarn aufnehmen. Es entstehen langsam und vorsichtig neue Kontakte und es werden auch erneut Ratschläge getauscht. Es ist uns ganz allein gelungen wieder eine schöne Wiese zu entwerfen.
Einige Schicksalsschläge haben wir in der Zwischenzeit bewältigt, einige Pflanzen sind dabei eingegangen, aber nie wieder war die ganze Wiese bedroht. Wir sind stolz auf unsere Arbeit und stolz den Mut aufgebracht zu haben neu zu beginnen.
Doch wir haben Pech. Die Krankheit meldet sich zurück, sie zerstört wieder einige Stellen die uns besonders am Herzen gelegen haben. Für uns sind es die Stellen die am wichtigsten waren. Erneut sind wir hoffnungslos und erneut begehen wir die selben Fehler, wir fallen in ein Loch und bleiben dort hocken. Nicht in der Lage überhaupt zu sehen das es nur einen Teil der Wiese erwischt hat. Wieder geht ein Teil der anderen Pflanzen ohne wirklich krank zu sein mit ein, wieder lassen wir die Hecke wuchern. Wieder haben wir nicht mal mehr die Kraft für Pläne, denn unser Kopf ist voll von den Gedanken über die Krankheit und wir sind wie gelähmt. Wir lassen es zu, das unsere Gedanken sich immer mehr mit dieser Krankheit beschäftigen, statt sich damit zu beschäftigen wie man den Rest rettet.
Manche bleiben dabei hinter ihren Hecken zurück, bleiben unsichtbar für alle anderen. Manche errichten wunderschöne Gärten hinter diesen Hecken, aber haben Angst das andere sehen könnten wie die Krankheit erneut zuschlägt. Manchen gelingt es erneut von vorn anzufangen und auch die Hecken erneut zu beschneiden. Manchen gelingt es sich an die Krankheit zu gewöhnen und sie als immer wiederkehrendes Übel zu akzeptieren.
Vielleicht sollten wir lernen nicht alles dieser Krankheit in die Schuhe zu schieben, unsere Gedanken sind nach wie vor frei und nicht davon befallen. Wir könnten lernen es zuzulassen das andere sehen was mit unseren Gärten passiert. Wir könnten sehen das wir dadurch das wir öfter neu anfangen müssen vielleicht auch für eine gewisse Zeit die schöneren und reicheren Gärten haben. Wir könnten lernen das unsere Gärten vielleicht nicht immer perfekt sind, das sie aber zu uns passen.
Doch weil wir da anders als andere Gärtner kämpfen müssen haben wir es schwerer. Wir haben einfach öfter Mißerfolge und müssen uns immer wieder erneut darauf einstellen, aber eins haben wir niemals:
Wir haben sicher keine langweiligen Gärten.
| Haftungsausschluss |
|
© 2000 - 2012   mb ( http://www.muskl.de ) |