Hallo Ihr Alle, ich möchte Euch von meinen Erfahrungen berichten, die mich die letzten Wochen doch arg gebeutelt haben.
So um die Weihnachtszeit hat´s noch so ausgesehen, wie wenn´s den Homburger bald nicht mehr gibt auf dieser Welt. Was mir dabei Angst gemacht hat, war die Tatsache, dass es keine Verzweiflungstat geworden wäre. Ich hab´ ganz rational entschieden: "so nicht!". Hauptmotivation war nicht meine immer größer werdende Hilflosikeit, das Angewiesensein auf fremde Hilfe, immer wieder den eigenen Willen unterordnen müssen, weil´s entweder g´rad nicht geht oder man selbst eine Abwägung trifft, Aufwand für die Anderen - Nutzen für mich rechtfertigt ein Zur-Last-Fallen nicht.
Ich bin schon eine Last für meine Familie. Je mehr mich das Leben in die Hilflosigkeit schubst, umso mehr bring´ ich den Alltag meiner Geschwister und meiner Mutter durcheinander. Und wie wenn das noch nicht genug ist, kommt dann immer wieder das Gefühl dieser entsetzlichen Nutzlosigkeit dazu. Das war´s!. Ich hab´ eine halbe juristische, eine ganze wirtschaftliche, und jetzt noch eine fast abgeschlossene EDV-Ausbildung. Bis jetzt konnte ich aber noch nicht zeigen, was in mir steckt. Ich hätte den Freitod gewählt, weil ich einmal die falsche Entscheidung getroffen habe. In einer elementaren Sache. Wie geh´ ich mit meiner MS um.
Ich hab´s im Leben nie leicht gehabt. Ich mußte ständig am Ball bleiben. Trotzdem ging mir immer alles recht leicht von der Hand. Ich hab´ einen guten Draht zu meiner Intuition entwickelt und konnte mich recht gut auf sie verlassen. Bis die MS angefangen hat, mich zu quälen. Die ersten sieben Jahre wußte ich nicht, was mit mir passiert. Entbehrungen überall, weil ich nicht mehr richtig funktionierte. Dann kam die Diagnose. Zuerst hat sie mir gut getan, weil ich nicht der "Schuldige" war. Dann aber lähmendes Entsetzen - unheilbar! Die Menschen fliegen auf den Mond, zerlegen alles bis in die Elementarteilchenebene, und MS soll unheilbar sein. Diejenige Instanz, die mich bis jetzt durch´s Leben begleitet hat, wollte das nicht glauben.
Zuerst hab´ ich die typische MS-Laufbahn eingeschlgen, Cortison, Interferon-1b. Bei Mitoxantron war Schluß. Ich habe einen Arzt gefunden, der von sich gesagt hat, er wisse, wie´s geht. Vergiftung, Homöophatie, Meridiane, Energie, Chinesische Medizin, Ausleitung. Mein Verstand bekam ein Mehr als das Schulterzucken der Schulmedizin bei der Frage nach dem "Warum". Endlich jemand, der nachvollziehbar Ursache und Wirkung in Relation zueinander gestellt hat. Und was noch wichtiger war, meine Intuition hat ganz heftig genickt. Keine Chemie mehr! Mittlerweile hab´ ich Pflegestufe III, manchmal muß ich gefüttert werden. Ich bin meiner Intuition gefolgt, obwohl ALLE, bis auf meine Mutter, gesagt haben:"Du spinnst, so´nem Scharlatan zu glauben". Hab´ ich mich falsch entschieden, mich mit Gewalt und Unvernuft in die Hilflosigkeit geschossen? Hat mich mein ICH, mein Flämmchen, wie ich immer sag´, im Stich gelassen? Den Spott der Rechthaber hätte ich nicht ertragen. Warum muß ich immer alles anders machen, als es die anderen machen?
ABER.....dann. Kleine positive Zeichen hat´s ja immer mal wieder mal wieder gegeben, aber einer objektiven Gegenüberstellung hätte mein Standpunkt nicht standgehalten. Seit 3,5 Jahren hatte ich keinen Stuhlgang mehr ohne Abführmittel. Und durch einen Zufall hab´ ich dann feststellen dürfen, es geht wieder. Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, was das für Gefühle in mir hochkommen ließ! Der Zufall wollte, daß es ein sonniger Tag war. Meine Wohnung war lichtdurchflutet. Da hat mich eine Euphorie gepackt. Ich hatte Kontakt zu meinem ICH. Es war so schön. Ich lebe noch. Jetzt noch bekomm´ ich Herzklopfen, wenn ich daran denke. Ich hab´mich gar nicht getraut daran zu denken:"Wenn ich mich nicht getäuscht hab´, wenn´s doch funktioniert?" ...jaaaaaa. Alles war auf einmal gut. Mein Geist hat und Verstand haben die Welt und mich darin ins Licht zurückgeholt. Vertrauen in mich war wieder da. Wie wenig man doch manchmal braucht!
Vielleicht könnt Euch denken, was jetzt kommt. Die Euphorie hat nicht lange gedauert. Der nächste Versuch auf´m Klo ging schief. Ich konnte dann richtig zuschauen, wie langsam ein Schleier Nebel sich über mein Gemüt legte. Verzagtheit, Zweifel und Resignation waren wieder da. Auf einmal wurde mir klar, was da abläuft. Der Unterschied zwischen diesen extremen Zuständen war einzig und (fast) allein darin begründet, wie ich die Dinge warnehme und bewerte. Sebstredent, was mir lieber war. Alles nur Kopfgeburt. Das bißchen Stuhlgang. Ich will da sein! Ich laß mir die Sonne nicht mehr so leicht wegnehmen. Es wird funktionieren! Vertraue Dir! Ja.
Jetzt ist´s länger geworden, als ich dachte. Danke für´s lesen. Zum Schluß noch ein Konstantin Wecker:
Jetzt mecht i oamoi, oamoi ganz von vorn ofanga, oamoi a Leben lang mia selba g´hörn, i bin doch oiwei, oiwei bloß am Bandl g´hanga, aber jetzt wer i mi wehrn!
Thomas
e-mail an Thomas
| Haftungsausschluss |
|
© 2000 - 2012   mb ( http://www.muskl.de ) |