Im Frühjahr 1999 hatte ich über einen langen Zeitraum hin das unbändige Gefühl, daß sich Veränderungen in meinem Leben einschleichen würden. Über den warmen Sommer hin ging es mir schleichend immer schlechter und ich wußte nicht, woran es liegen könnte. Frieren, Kreislaufbeschwerden, Konzentrationsstörungen, Drehschwindel, leichte Kribbelgefühle in Füßen und Händen usw. Aber alles konnte auch eine normale Ursache aufgrund des Wetters haben. 3 Tage vor der Sonnenfinsternis stellte sich ein dauerhaftes Kribbelgefühl, gepaart mit Taubheit und starkem Schmerz bei Berührung und Kälte in der rechten Hand ein, das sich im laufe des Tages den gesamten Arm hocharbeitete. Am nächsten Tag begann das kribbelige Taubheitsgefühl im rechten Fuß und kroch langsam aber stetig das gesamte Bein hoch. Kurz und gut, am Tag der Sonnenfinsternis war meine gesamte rechte Körperseite taub, ich lief wie auf Watte, hatte wahrnsinns Schmerzen beim Sockenanziehen, mir fehlte jede Konzentration und ich fühlte mich einfach nur komisch.
Also bemühte ich mich doch zum Arzt, was ich eigentlich vermeiden wollte, da ich ebenfalls Arzthelferin bin und nicht gleich AU schreie, wenn`s weh tut. (Abgesehen davon war Donnerstag, mein Putztag, den ich eigentlich nicht sausen lassen wollte!) Mein Hausarzt faselte was, ob in meiner Familie MS existiere und schickte mich sofort zum Neurologen, der mir ebenfalls das Wort Multiple Sklerose an den Kopf warf und schickte mich sofort für die Lumbal-Punktion und Cortison ins Krankenhaus. Ich staunte nur noch und war wirklich gespannt, was für ein Abenteuer das Leben noch für mich bereit hält, denn das Wort Multiple Sklerose hatte ich bis dato nur selten gehört. Im Krankenhaus wurde dann ebenfalls nach unendlich vielen Untersuchungen die Diagnose: MS gestellt.
Meine Familie verfiel in ein Schock-Koma und ich suchte mir in aller Seelenruhe Informationsmaterial über dieses Krankheitsbild. Alle unterstellten mir, nachdem meine linke Körperseite ebenfalls taub wurde und ich weder richtig Urin- noch Stuhl lassen konnte, ich würde noch aufwachen und dann in ein tiefes Loch fallen. Aber leider mußte ich meine Familie enttäuschen, denn bis heute (es ist 3 Jahre her) komme ich trotz Schmerzen und gemeinen Symptomen der Krankheit wunderbar zurecht und ich kann nur jedem raten: Nehmt eure Krankheit an, egal, um welche es sich handelt; verlernt niemals das Lachen, das Lächeln und das positive Denken! Denn, ganz gleich, was das Schicksal uns beschert, es liegt alleine an unserer inneren Einstellung, was wir daraus machen!
Ich habe versucht, was möglich war. Ich habe meine Ernährung umgestellt, habe mir Ratschläge verschiedenster Personen angehört und teilweise, je nach Gefühl, auch umgesetzt und ich spritze das schmerzhafte Teufelszeug Betaferon. Was nun kommt, liegt nicht in meiner Hand und das ist auch richtig so! Ich vertraue darauf, daß alles, was kommt, gut und richtig für mich ist. Egal was! Ich nehme alles an ohne es zu werten und gehe ihm mit Liebe und Verständnis entgegen. Meine Krankheit ist wie mein Bruder, mit dem ich mich zwar ab und zu zanke, aber ich liebe ihn und nehme ihn, wie er ist. Somit erreiche ich stets eine wunderbare Symbiose und Eintracht mit meiner MS und lebe sehr glücklich damit. Denn: Was ich sähe, das ernte ich. Und ich habe mich für ein Leben in Frieden, Harmonie und Liebe entschieden. Also behandel ich die MS, als einen Teil von mir, mit größtem Respekt und Dankbarkeit (was sicherlich nicht viele Menschen verstehen können, aber das macht mir nichts!).
Es liegt wirklich an der inneren Einstellung und das weiß ich, weil auch ich mal einen Tag des Durchhängens und einfach Schlechtfühlens habe. In dem Sinne wünsche ich allen Lesern ab jetzt eine sich selbst liebende Einstellung und ganz viel Positivität. Lacht einfach über alles und sagt: Ok, packen wir`s! Ändern können wir es nicht. Habt Kraft und Mut!
In Liebe an alle MS-Kollegen/innen
Eure Steffi
E-Mail-Kontakt erwünscht: e-mail an Steffi
Leben statt leiden !
Es gibt Dinge im Leben, die ich verändern kann. Und es gibt Dinge, die von einer anderen Warte aus gesteuert werden. Unsere gemeinsame Krankheit, die MS, gehört auch dazu. Das Schicksal läßt sich nicht beeinflussen. Das bedeutet, daß wir lernen müssen, unser Leben mit seinen ganzen Umständen und Situationen anzunehmen. Viele Menschen versinken im Selbstmitleid und führen einen Kampf gegen die MS und damit gegen sich selbst. Wichtiger wäre es aber, nicht den alten Hobbys und Interessen hinterher zu trauern, sondern sich auf die Dinge zu konzentrieren, die nun noch ausgeführt werden können.
Hört auf zu jammern und entdeckt neue Fähigkeiten und Interessen, die ihr intensivieren könnt. Entdeckt euer Leben neu, lernt eure Phantasie-Welt neu kennen oder entdeckt sie gar ganz neu in voller Pracht. Prüft eure Sinne. Wie gut könnt ihr euch noch vorstellen, wie sich Gras anfühlt, wenn man barfuß darüber läuft? Wie riecht das Meer und wie bewegen sich Schmetterlinge, wenn sie über eine bunte Sommerwiese fliegen? Entdeckt die Welt in eurem Inneren und ihr werdet merken, daß es nichts gibt, was ihr nicht machen könnt und das es Dinge in eurem Leben gibt, die euch niemand auf der Welt nehmen kann.
Laßt euch Musik mit Vogelgezwitscher vorspielen oder lauscht dem Plätschern eines Baches. Gebt euch niemals auf! Bewahrt die Liebe, Phantasie und den Glauben in eurem Innern und hört niemals auf zu leben. Auch mit einer Krankheit kann man leben und muß nicht unwillkürlich leiden! Es kommt einzig und alleine drauf an, was ihr daraus macht! Glaubt an euch und erfreut euch an dem, was ihr noch könnt und ansonsten schult eure Sinne und Vorstellungskräfte der Phantasie. Probiert es doch auch einfach mal mit Meditations-Cassetten oder CD`s aus, die euch dabei helfen, wieder eine neue Lebensqualität zu erreichen. Für euren neuen Weg wünsche ich weiterhin viel Kraft, Opitmismus, Stärke und ganz viel Liebe. Lächelt mal wieder, es macht euch wunderschön, ich verspreche es euch! Verlange und warte nie auf ein "mehr", sondern genieße die Sekunde oder Stunde, die für dich von größter Bedeutung ist. Denn wer auf ein "mehr" im Leben wartet, wird nie glücklich sein!
Viel Glück, eure MS-Kranke und trotzdem glückliche
Steffi
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