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Die Unglücklichen schöpfen Trost aus den schlimmeren Leiden anderer. (Äsop)


Zumutung für die Solidargemeinschaft

Zumutung für die Solidargemeinschaft...das ist einer jungen Mitarbeiterin einer Institution rausgerutscht, von der ich die Stirn hatte, etwas mir zustehendes, einen minimalen finanziellen Ausgleich (es ging um eine Erstattung von ca. 50 .- DM) zu beantragen, ich habe es nicht verlangt. Den Namen der Institution werde ich hier nicht preisgeben, ich brauche sie noch.

Ich habe Multiple Sklerose, seit 9 Jahren. Die MS nötigt dazu, immer wieder aufstehen zu müssen. Es gibt immer wieder Krankheitsschübe, die Lähmungen in Armen und Beinen auslösen, bis zur völligen Bewegungsunfähigkeit. Glücklicherweise kommt es manchmal zur (nicht vollständigen) Rückbildung. Immer wieder hilflos und abhängig sein, um danach zu versuchen, wieder etwas neues aufzubauen, nur um einige Zeit später wieder alles zu verlieren.Die Entzündungen im Zentralnervensystem verursachen physische Schäden, die ständigen Druck auf die Seele ausüben, um deren folgende Schwäche dann zum Auslöser eines neuen MS-Schubes zu machen. Der Kreislauf einer Autoaggressionserkrankung, bis zur völligen Vernichtung.

14 Monate habe ich eine Umschulung im IT-Bereich gemacht, ich mußte sie im Februar 2000 aufgeben. Ich kann kaum beschreiben, wieviel Hoffnung auf diese Ausbildung und ihre Zukunft gesetzt habe. Die Zeit hat mich viel gekostet. Immer wieder Krankheitsschübe, um danach wieder anzufangen, nachzuholen und weiterzumachen, bis zum nächsten MS-Schub. Eine unbeschreibliche Qual, wenn alle 2 Monate die Hoffnungen zerstört werden und abzuwarten, ob es überhaupt weitergehen kann.

Seit fast 10 Jahren knechtet und quält mich die MS, keine Chance einen Beruf aufrechtzuerhalten und mir mein Leben zu verdienen. Jetzt, mit 36 Jahren, bekomme ich eine EU-Zeitrente für 1 ½ Jahre, 1.042 DM im Monat. 1992 war diese Überlegung schon mal akut, hätte ich zu diesem Zeitpunkt beantragt, wurde mir ca. 1.500.- DM EU-Rente ausgerechnet. Auf meine Frage beim Rentenberater wie so eine Diskrepanz möglich wäre, hatte er nur Schulterzucken - und: Die Berechnungsgrundlagen lt. Sozialgesetzbuch sind geändert worden. Perfide, man kürzt nicht, man ändert die Berechnungsgrundlagen.

Mit der Zusage vom Arbeitsamt, die Umschulung im Anschluss an die Zeitrente abzuschließen, habe ich mich auf die Zeitrente eingelassen, daran erinnert sich inzwischen keiner mehr, das Problem ist gelöst.Beim Sozialamt habe ich nach irgendwelchen Unterstützungen angefragt, keinen Anspruch, ein Erwachsener hat monatliche Durchschnittskosten von 988.- DM, das ist die Grenze.In den ganzen Jahren habe ich versucht beruflich wieder auf die Beine zu kommen, habe dabei auch versucht, trotz der Erkrankung, 3 ½ Jahre nebenberuflich selbstständig zu sein. Aus den Folgen ergibt sich noch eine Rückzahlung von ca. 4.000.- DM an das Arbeitsamt. Mit der Rückzahlung wollte ich eigentlich zu diesem Zeitpunkt nach der Umschulung beginnen, aber leider hat mir die MS wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Jetzt habe ich als besondere Überraschung ein Verrechnungsersuchen von der BfA bekommen, meine monatliche EU-Rente soll um die Hälfte verrechnet werden, d.h. mir würden ca. 500.- DM zum Leben bleiben. Durch das Sozialamt und eine Bescheinigung wird die Verrechnung ca. 80.- DM im Monat betragen. Das Versorgungsamt hat gerade eine Verschlimmerung der Erkrankung nicht zur Kenntnis genommen, ich hatte das Merkzeichen G wie Gehbehindert beantragt. Im Moment habe ich ca. 30 m Gehstrecke...
Es gibt noch viele andere Beispiele für ständige Knüppelschläge, vor allem von Behörden, aber auch immer mehr aus der Gesellschaft, immer und immer wieder, es ist eine Strafe krank zu sein. Der 10. Antrag, der 20. Widerspruch, der Kampf um die Gesundheit hat keinen Platz mehr, er wird in den Hintergrund geschoben.


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