Hallo ich heiße Luisa,
am Donnerstag den 26.01.06 wurde zweifelsohne die Diagnose MS gestellt. Nun im kurzen Rückblick wird mir klar was unklar war. Geschehnisse und Vorfälle beginnen Sinn zu ergeben. Verschwommenes sehen. Kurzzeitige oft Sekundenschnelle Ausfälle der Beine, Arme, Hände. Mal für einen Sekundenbruchteil einen Krampf auf einer Gesichtshälfte. Erschöpfungszustände. Meine ständigen Eigendiagnosen: Streß, Müdigkeit, Überlastet, Arbeit , Haushalt, Mutter sein... Wen wundert es da, das mal das ein oder andere Zipperlein auftritt?! Dem schenkt man keine Beachtung.
Vor 2 Wochen fing dann die Hand an zu kribbeln und ich denke "Geht auch schon wieder vorbei. "Aber nix davon. Dann der Arm noch mit. Es kribbelt und kribbelt. Ein Tag später ist das Bein dabei und ich sehe verschwommen. Da denk ich, geh ich besser mal zum Arzt. Sicher einen Nerv im Rücken eingeklemmt. So kann ich nicht zur Arbeit. Hol mir ne Spritze da ab, dann geht das schon wieder (denk ich...). Muß ja zusehen das ich meinen Job halte. Gerade nun da es für mich so aussieht das es mit einem Festvertrag oder weiteren Vertrag vielleicht was geben könnte.
Meiner Ärztin schildere ich meine Symptome. Sie macht ein paar Tests. Auf einem Bein stehen, mit jeweils einem Auge sehen. Resultat: "Einweisung". Boh denk ich das kann ich nun nicht brauchen und ist übertrieben. Doch gut ich laß mich dann vorsichtshalber doch drauf ein (bekomme dann doch en bißchen en mulmiges Gefühl, das sie soviel Wind macht). Also auf zum Krankenhaus. Donnerstag Abend. Und wo lande ich? Auf der Schlaganfallabteilung (Stroke Unit). Nicht zu fassen denke ich. Die Spinnen.
Hab was am Rücken. Hatte ich ja schon mal. Aber halt linker seits und damals halt nur in Schulter und Arm. Die Ärztin macht ein paar Untersuchungen. Reflexe testen usw. Na ja, nun muß ich zur Computertomographie. Ohne Weißkittel. Denke für mich "Super", die Gelegenheit endlich mal eine zu Rauchen. Als ich zurückkomme wartet die Schwester schon im Flur auf mich. Hab wohl ein bißchen lange gebraucht. Na ja die machen aber auch nen Wind hier. Anstatt in ein Zimmer bringen die mich auf die Überwachungsstation. (Stroke Unit). Vergleichbar mit einer etwas größeren Umkleidekabine.
Liege da hinter einem Vorhang. Komme mir vor wie im Knast. Denn ich habe nur einen Anruf. (Mach noch Witze und frag ob ich meinen Rechtsanwalt anrufen soll). Rauchen ist auch nicht. Boh denke ich wieder. Die Spinnen. Jedes mal wenn mir gegenüber der Vorhang aufgeht sehe ich eine ganz ganz alte Dame, der es Wirklich fürchterlich schlecht geht. Das sieht man. Doch ich denke ich bin hier falsch. Nun gut , kann's nicht ändern. Komme ans Überwachungsgerät. Bekomme nen Zugang gelegt und werde am Tropf angeschlossen. Am folgenden Tag kommt der Herr Oberarzt. Es ist mittlerweile 11 Uhr. Und ich will Rauchen. Er meint nein, ich meine ja. Die wollen einfach nicht verstehen.
Es liegt am Rücken!!! Resultat der Computertomographie : Nix zu sehen!! Super denke ich. Wußte ich es doch. Fühle mich die ganze Zeit wie im falschen Film. Doch nun schicken sie mich zu einem Facharzt. Kernspint. Dort fahre ich mit nem Taxi hin. Nehme die Bilder gleich mit zurück zum Krankenhaus. Der Arzt übergibt sie mir selbst und fragt mich ob man schon ne Rückenmarkuntersuchung gemacht habe. Und er wünscht mir alles gute. Danke und Tschüß. Ab ins Taxi und zurück. Gebe die Bilder ab. Und siehe da. Ich werde verlegt. Kein Schlaganfall. Wußte ich doch!!! Werde verlegt in die Neurologie.
Wieder an den Tropf. Kortisonbehandlung. Für meine Ausfälle. Ja gut wenn es Hilft. Ergebnis des Kernspint : 6 Vernarbungen im Gehirn und ein frischer Herd. Nach zwei Tagen kann ich wieder eine Tasse vernünftig fassen. Zwar kribbelt es immer noch in der Hand und im Bein. Doch es ist besser. Oder anders?! Montags gehen die Untersuchungen weiter. Die Kortisonbehandlung wird auf die Höchstdosis von 5 Tagen a`1 gramm festgelegt. Ferner soll eine Lumbalpunktion [Entnahme des Nervenwassers] gemacht werden. Das Nervenwasser [Liquor] umspült Gehirn und Rückenmark. Dies macht eine Untersuchung möglich die direkt mit Gehirn und Rückenmark in Verbindung steht. So langsam denke ich sollen sie machen was sie wollen. Bin so schlapp und matt das es mich kaum noch angeht. Bin erschöpft und kriege die Restlichen Untersuchungen mit als hätten sie kaum was mit mir zu tun.
Ca. eine Stunde nach der Lumbalpunktion muß ich zum EEG. zwischendurch ist der Tropf durchgelaufen. Fühl mich wie in Watte. Bekomme Nadeln in den Kopf und muß mir Schachbrettmuster anschauen. Dann werden mir Elektroden angelegt um meine Reaktionen aufzuzeichnen. Unangenehm aber ist mir Wurscht. Will nur meine Ruhe haben. Zwei Tage später komme ich auf den "Elektrischen Stuhl", so nenne ich es ;). Ein nasses Band ums Bein. Elektroden an den Händen und das alles wird schön verkabelt. (Normalerweise). Dann hält die Dame mir so en Ding an den Kopf, welches mir ne Ladung Strom durch die Birne jagt und durch den Rest. Buff, Buff, Buff. Der Lady gefällt das Bild auf dem PC nicht das sie sieht. Und wieder Buff, Buff,...
Mir ist schon der Hausschuh vom Fuß geflogen. Super das sie nach dem 10`ten Buff mal merkt das sie vergessen hat en Kabel anzuschließen. Das freut mich sehr. Ich sage ihr, dass ich nun sicher mit bloßer Hand ne Birne zum brennen bekomme. Egal, machen wir es nun richtig. Hab ja Humor. Mache sie nur noch eben darauf aufmerksam das sie drauf achten soll, das mein Herz nicht stillstehen bleiben soll. Buff , Buff... So nun ist ja hoffentlich mal alles durch... 5 gram Kortison intus und mein Knie eiert immer noch als hätte ich eine Lokale Betäubung drin. Was anzufassen fühlt sich auch fremd an. Warte ich mal auf die Visite. Die kommt dann auch. Aber nicht für mich. Toll. Warte ich halt mal wieder. Doki kommt gleich.
Tja und er kommt. Diagnose: MS. Kann nun bald nachhause. Medizin gibt es keine mehr. Höchstdosis erhalten sagen Sie. Ja und nun hier zuhause ist es nicht einfach Weg. Der Rumpf wird zwischenzeitlich gefühllos. Fahre von 100 auf 0 runter von jetzt auf gleich. Ohne Vorwarnung. Beim Einkaufen stolpere ich oder bekomme das Bein nicht nach vorne. Peinlich so mitten im Kaufhaus. Wankend zwischen den Gängen zu hängen. Seit 3 Tagen habe ich wenigstens kein Augenproblem mehr. Ist doch schon was. Ist auch schon irre wenn man plötzlich das Gefühl hat en Weitwinkelobjektiv auf der Nase zu haben. Oder die Türe schief in der Wand steht. Schwindel der einen überfällt. Irgendwie steht oben unten. Tür auf Tür zu. Rein raus.
Super, gesund auszusehen und es nicht zu sein. Wenn es einem wie kurze Stromschläge durchs Bein saust oder durch den Arm. Wenn die Haut Brennt. Merkt ja keiner , sieht ja keiner. Wenn das Geld an der Kasse nicht so schnell aus dem Portmonaie zu holen ist, weil die Finger nicht so wollten wie man selbst will und du das Gefühl hast du hältst den Verkehr auf, ist auch ein grandioses Gefühl. (Zeitlupentempo). Die Ungewißheit die mein neuer Begleiter mir bringt ist auch nicht zu verachten. Wie lange dauert der Schub? Was stellt er noch an ? Wo bringt er mich hin? Alles verändert sich von jetzt auf gleich. Es springt einen an und fertig. Kaum einzuschätzen . Gestern so morgen so von hier auf da.
Achte auf meinen "Begleiter" um ihn kennenzulernen. Doch brauche wohl gar nicht auf ihn zu achten, denn er macht sich schon bemerkbar wenn ER es will. Mein Eigenwille steht da wohl am Rande. Na gerade geht es Ok. Mal sehen später...But day by day !! Mal sehen was der Neurologe meint... Nichts desto trotz ist es eine Erlebnisreise.
Mein Leben ist nicht schlecht... Es ist nur anders geworden... Heute!
Lieben Gruß
Luisa
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