Mein Mann erkrankte im März 2002 mit 31 Jahren an MS. Etwa zum gleichen Zeitpunkt wurde meine Schwangerschaft festgestellt. Die Krankheitssymptome meines Mannes wurden immer schlimmer und ich begann selbst darunter zu leiden. Ich konnte ihm nicht helfen und die Ärzte waren teilweise unwissend und ratlos. Nebenbei zogen wir in eine neue Wohnung und er war zusätzlichem Stress und körperlicher Anstrengung ausgesetzt. Ich war durch die Schwangerschaft verhindert ihm wie sonst unter die Arme zu greifen, obwohl er es mehr gebraucht hätte als bisher. Mir blieb nur, die Organisation der Arzttermine unabhängig der "Hausarztaktivitäten" in die Hand zu nehmen. Mit Verdacht auf MS unseres wirklich guten Neurologen, bei dem ich zufällig einen Termin entgegen den laufenden Untersuchungen der Hausärztin machte, kam mein Mann ins Krankenhaus. Die Diagnose wurde leider bestätigt.
Es ging alles so schnell, ich konnte gar nicht wirklich darüber nachdenken. Meine Schwiegereltern fielen verständlicher Weise in Panik, vergaßen aber leider, dass ich auch betroffen bin. Sie terrorisierten mich buchstäblich durch Anrufe, Fragen und gutgemeinten Aktivitäten. Sie ließen meinem Mann auch nicht die vorerst nötige Ruhe zum "Genesen". Ich kam mir manchmal wie eine Mauer vor, die niemanden durchlassen wollte um ihn zu schützen. Seine und meine Wünsche bezügliche der Anrufe, Fragen und Besuche wurden ignoriert. Die Wogen haben sich geglättet, meinem Mann geht es wieder besser. Alle Erinnerungen aus dieser Zeit liegen mir heute noch schwer im Magen. Das Verhältnis zu meinen Schwiegereltern hat sich seitdem verändert, ich nehme ihnen ihr Verhalten immer noch übel.
Mein Mann und ich wechseln uns mit dem Spritzen von Betaferon ab und wir hoffen es wird ihm noch lange so gut gehen. Meine Liebe zu meinem Mann ist in dieser Zeit gewachsen. Ich bin so glücklich, dass es ihm so gut geht wie jetzt. Er ist selbst sehr zuversichtlich und geht mit der Diagnose MS sehr gut um. Manchmal, wenn ich morgens aufwache und er liegt neben mir, bin ich traurig und glücklich zugleich. Traurig, dass er krank geworden ist und glücklich, das MS eine Krankheit ist, mit der wir unser Leben weiterleben können. Ich drücke ihn dann, halte ihn ganz fest und bin so froh das ich ihn habe. In Gedanken verspreche ich mir und ihm, dass wir alles gemeinsam schaffen werden. Jetzt freuen wir uns auf unser Baby und auf unser weiteres Leben. Ich habe das Gefühl wir leben jetzt viel intensiver, gehen viel zärtlicher und verständnisvoller miteinander um und wir verbiegen uns nicht mehr für andere, nur um es denen irgendwie recht zu machen. Ich bin mir sicher diese MS kriegt uns nicht klein.
Viele liebe Grüße an alle MS- Erkrankten, deren Partner und Kinder.
Indra
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