Kurz vor meiner Einschulung erkrankte unsere Mutti an MS, wir, d.h. meine Vater, meine damals 9jährige Schwester und ich hatten keine Ahnung,was das zu bedeuten hatte. Das war vor über 30 Jahren! Unser Leben konzentrierte sich auf die Sorge und Pflege unserer Mutter, freie Zeiteinteilung gab es nicht. Wir lebten über 20 Jahre nach Kalender, damit immer jemand da war. Inzwischen gab es Enkelkinder und Schwiegersöhne,die sich so gut es ging beteiligten. Wir kannten kein anderes Leben, wunderten uns als Kinder nur, warum bei uns alles anders war.
Heute wissen wir,dass auch Angehörige psychologische Betreuung gebraucht hätten. Vor 10 Jahren trafen wir die schwerste Entscheidung, Mutti in ein Pflegeheim zu geben. Entlastung wollte sich aber nie recht einstellen. Das schlechte Gewissen und die Vorstellung,dass sie immer auf uns wartete, machte traurig. In den letzten Jahren kamen viele Probleme mit der PEG Sonde hinzu, Trigeminus Neuralgien, unerklärliche Schmerzen. Vor 2 Monaten hat sie den Kampf gegen diese böse Krankheit verloren, nach 37 Jahren! Sie konnte ihr Schicksal nur "ertragen", da sie es nach Selbstmordversuchen angenommen hatte, viel Liebe gegeben hat und ihr Glück darin fand.
Wir trauern, so glaube ich inzwischen, um das lange leidvolle Leben das sie führen musste. Aber niemals hatte sie aufgegeben sich am Leben zu beteiligen.Wir vermissen sie!
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