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Leichter läßt sich eine glühende Kohle auf der Zunge halten als ein Geheimnis. (Sokrates)


und die Fee fragte: Was wüncht Du Dir? / Doro

und die Antwort kam so überraschend und spontan in meine Gedanken...

Es ist nun ein paar Tage her, da fragte mich beim spielen meine kleine Tochter: Was wünschst Du Dir? Mein Gedanke war: Nur EINEN Tag ohne MS!! Und gleichzeitig dachte ich, ich könnte diesen Tag gar nicht würdigen.

Damals (28 Jahre) war ich gerade 4 Monate glücklich verheiratet, verbunden mit ganz vielen Hoffnungen an ein gemeinsames Leben, Familie und Erwartungen an meine Umwelt. Als dann nach langem Suchen die Diagnose gestellt wurde habe ICH mich total verändert. Ich dachte nur, das hat mein Mann nicht verdient. Ich fühlte mich schuldig - nicht mehr als Mensch. Ich war doch immer eine Power-Frau.

Es folgte die Zeit des Verdrängens, der Hoffnungslosigkeit, der Depressionen... alles in allem - nur Hilflosigkeit. Ich fühlte mich in die Enge gedrängt und habe angefangen um mich zu schlagen. Ich wurde gemein, ungerecht, egoistisch und absolut unfair. Ich habe mein Umfeld mit Füßen getreten. Ich habe Freunde aussortiert und es konnte mich "fast" keiner verstehen (Dicke - Du konntest es). Meine Eltern wollten helfen aber wie, wenn keiner Hilfe möchte? Wer kann das auch verstehen, akzeptieren, wenn ein Mensch sich so ändert?

Ich habe es in 4 Jahren geschafft meine Ehe zu zerstören und ich wurde allein erziehende Mutter mit MS. Diese Abgründe schienen kein Ende zu nehmen, bis ich irgendwann begriff: Lebe mit der MS und nicht die MS mit Dir. Mir geht es körperlich eigentlich sehr gut (kleine Ausnahmen sind doch ok - oder?). Ich habe immer alles mit fester Hand geplant - doch bei dieser Krankheit wurde mir eine ganz wichtige Sache entzogen: Selbst zu entscheiden! Oder?? Für Heute kann ich selbst entscheiden. Ist es verständlich, daß schöne Dinge für mich viel schöner, und schlechte Dinge viel schlechter aufgenommen werden? Wie erkläre ich - ich bin ziemlich müde - obwohl ich aussehe wie das blühende Leben? Wie erkläre ich - nein, ich war nicht auf der Sonnenbank - das sind nur 1000mg Cortison?? Muß ich das erklären??

Vor 2 Jahren erlag mein Vater einem Krebsleiden und noch heute habe ich folgende Worte im Kopf: "Kind - erst jetzt kann ich Dich verstehen..."

Vor einem 3/4 Jahr lernte ich dann einen Menschen kennen, der nicht aufgegeben hat zu fragen. Ein Mensch der mich trotz all meiner Schwächen liebt und meine Stärken fördert. Manchmal fällt es mir schwer zu reden. Versteht er mich, kann ein gesunder Mensch nachvollziehen was in einem vorgeht??

Ich denke mittlerweile, daß ich vielleicht das Glück habe zu den paar Prozent zu gehören, die "nur" mit der Diagnose leben müssen... Ich kann mir doch das Leben nicht noch schwerer machen als es eh schon ist - oder? Ich nehme meine Spritzen, versuche auf die Anzeichen meines Körpers zu achten aber was viel wichtiger und besser ist: Ich LEBE wieder und habe Spaß am Leben... Auch kann ich mit meiner, nun 6-jährigen Erfahrung, anders mit meinem Leben umgehen. Ich habe durch die MS sehr viele positive Dinge erlebt. Und der Mann an meiner Seite zeigt mir den Rest des Lebens...

Und dennoch gehe ich manchmal ins Bett und denke: Kann ich morgen noch laufen...

Doro


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