Hallo, ich bin Daniela. Ich bin gerade 43 Jahre alt geworden, bin ein quirliges Energiebündel, arbeite bei einer Versicherung, bin Mutter einer 18 Jahrigen Tochter, Ehefrau, Hausfrau, Hundemutter und vieles mehr.
Vor vier Wochen wachte ich morgens auf und hatte vermeintlich sehr starke Kreislaufprobleme. Alles drehte sich und ich hatte Probleme dabei, in unserem Haus die Treppen zu steigen. In den kommenden Tagen verstärkte sich das Schwindelgefühl und eine permanente Übelkeit kam dazu. Ich konnte plötzlich auch nicht mehr gut sehen und das linke Auge tränte heftig. Angefangen hatte es am Freitag und am Mittwoch bat ich meinen Mann, mich zum Arzt zu fahren. Tief im Inneren merkte ich, dass irgendwas gar nicht in Ordnung ist. Mein Hausarzt überwies mich sofort in unser Krankenhaus.
Nach schier endlosen Unteruchungen wie EKG, Blut und CT noch in der Notaufnahme, wurde ich auf die neurologische Abteilung verlegt. In den kommenden drei Tagen reihte sich Untersuchung an Untersuchung. EEG, Kernspin, Test für den Gleichgewichtssinn und so weiter und so fort. Man sagte mir nichts über den dringend bestehenden Versacht. Erst als eine Untersuchung des Hirnwassers anstand, hörte ich nicht mehr auf zu fragen. Inzwischen ging es mir richtig schlecht. Ich mußte mich viel übergeben und der Zustand meiner Augen war katastrophal. Man erklärte mir recht vorsichtig, dass ich eine Stosstherapie mit Kortison bekäme und anschließend meine Diagnose.
Drei Tage volle Dosis Kortison! Die Nebenwirkungen waren nicht schlecht und mir ging es ziemlich mies. Ich wollte nicht einmal gern Besuch sehen. Dann kam die Ärztin und erklärte mir sehr vorsichtig, dass ich an MS leiden würde. Sie war eher hilflos, drückte mir eine für mich bedrückende Broschüre über die Krankheit in die Hand und ging. Die Krankenschwestern behandelten mich plötzlich wie ein rohes Ei und ich fühlte mich schockiert, erschlagen und hatte fürchterliche Angst. Plötzlich öffneten sich Türen aus meiner Vergangenheit, die mir zeigten, dass ich diese Krankheit wohl schon 12 Jahre habe. Da hatte ich zum ersten Mal ein völliges Taubheitsgefühl auf der Bauchdecke, was aber nach etwa 4 Wochen verschwunden war.
Der damalige Arzt konnte sich dieses Taubheitsgefühl nicht erklären. Danach war alles okay. Dann vor 6 Jahren. Aus völlig heiterem Himmel fiel ich morgens regelrecht aus meinem Bett. Ich mußte mich grausam übergeben und kämpfte mit heftigstem Schwindel. Sachen drehten sich auf den Kopf und ich sah dann auch alles auf dem Kopf stehend. Ich kam in ein anderes Krankenhaus unserer Stadt. Man wußte mit mir nichts anzufangen und tippte auf einen Hörsturz. Nach quälenden 2 Wochen in der Klinik ließ ich mich auf eigenen Wunsch entlassen, weil es zu keiner Diagnose kam. Wenige Wochen später waren alle Anzeichen abgeklungen und ich lebte ganz normal weiter. Nun waren bis jetzt wieder 6 Jahre vergangen.
Dieser jetzige Schub jetzt ging eigentlich ganz fix vorüber. Ich bin jetzt seit 3 Wochen entlassen, sehe wieder annähernd normal und auch sonst geht es mir eigentlich ganz gut. Ich bin nur sehr schnell müde und mußte fix lernen, mein Leben auf diese Leistungsschwäche umzustellen. Ich hoffe, dass es langsam besser wird. Ich arbeite daran und laufe jeden Tag sehr viel mit meinem Hund, damit ich wieder mehr Kondition habe. Wie ich mich jetzt seelisch fühle? Der Feind hat einen Namen und damit kann ich umgehen. Ich habe mich viel über MS informiert und werde mein Leben hartnäckig weiterführen, solange ich es so kann. Natürlich habe ich Angst. Oft abends fällt diese Angst mich regelrecht an. Aber ich werde der Krankheit die Stirn bieten. Ich lasse mich nicht unterkriegen.
Nur eins nagt an mir: Wenn ich jemandem sage, dass ich MS habe, werde ich behandelt wie ein Invalide oder ein Patient mit Krankheit im Endstadium. Mein Gott, ich bin, wer ich immer war "DANIELA". Meine Krankheit ist kein Diskussionsthema. Oder wenn nur für die, die es ehrlich interessiert und nicht für die, die mich mit Ihrem Mitleid ersticken, auch wenn es im Prinzip gut gemeint sein mag.
Gerade plane ich meine Zukunft neu. Mein Mann und ich werden unseren Betrieb aufgeben und ein kleines Hotel in einem Kurort kaufen. Es ist sehr schön. Ich war am Wochenende dort. Klinik und alles was ich für den Notfall brauche ist vor Ort. Und wenn es mich mal richtig erwischt, kann mein Mann das Hotel auch mit Personal allein führen. Meine Tochter lernt Restaurantfachfrau. Sie wird mit einsteigen nach der Ausbildung und so habe ich dann auch Entlastung, wenn ich sie mal brauche.
Mein Leben geht weiter und ich bin einfach nicht bereit aufzugeben! Meine Zukunft, wie ich mir die vorstelle? Zukunft ist heute und vielleicht noch morgen. Mir geht es ganz gut und wird es vielleicht auch morgen noch. Dann sehe ich weiter. Wenn der liebe Gott irgendwo ein Fenster schließt, öffnet er dafür auch eine Tür...!
Ich wünsche Euch alles Gute und vor allem Mut!
Daniela
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