Ich bin einer der leichten Fälle. In den Jahren 1988, 89 und 90 hatte ich Sehnerventzündungen, nach der ersten Kortisonbehandlung habe ich wegen der Nebenwirkungen (Depressionen, Eiterpusteln auf Brust und Rücken, Wasser in den Beinen) auf weiteres Kortisonverabreichungen verzichtet. Seither ist zwar der Sehnerv links geschwächt, das Sehvermögen ist jedoch nicht sehr stark beeinträchtigt.
1992 nach Abstillen meines ersten Kindes hatte ich plötzlich taube Beine bis über beide Knie, nach MR-Untersuchung und Lumbalpunktion stand die Diagnose MS fest. Für mich war das damals, so seltsam das klingen mag, kein Schock. Dass man durch die Krankheit zwar körperlich, aber nicht geistig beeinträchtigt werden kann, war für mich eine Beruhigung. Als ich die Diagnose erfuhr, hatte sich der Schub bereits vollständig zurückgebildet, daher erfolgte auch im Krankenhaus keine Therapie. Auf Anraten meines Hausarztes und nach Konsultation von Dr. Ulf Baumhackl, Neurologe in St. Pölten, begann ich mit der Einnahme von Wobenzym.
Nach der Geburt meines zweiten Kindes begab ich mich zusätzlich profylaktisch in homöopathische Behandlung, da diese Zeit kritisch sein soll. Der Homöopath war der Ansicht, dass die Krankheit die Folge einer Zeckenimpfung ist. Von 1992 bis April 2000 bemerkte ich hin und wieder leichte Koordinations- und Gefühlsstörungen der Extremitäten, die jedoch nicht als Schübe gewertet werden können, weil sie immer nur vorübergehend auftraten, d.h nie länger als ein paar Stunden dauerten.
Ob mein guter Zustand auf das Wobenzym, die Homöopathie, meine gesunde Lebensweise (anfangs gänzlicher Abschied von Nikotin, Koffein, Hochprozentigem, stattdessen Vollkornprodukte, viel frisches Obst und Gemüse) zurückzuführen war, weiß ich nicht.
Im April des Jahres war ich Opfer eines Auffahrunfalls (LWS-Prellung, Schleudertrauma), und kurz darauf folgte ein Schub, der diesmal all jene Symptome mit sich brachte, die ich bis dahin nur aus der Literatur kannte (neben Sensibilitäts- und Koordinationsstörungen auch Lhermitte-Syndrom, Blasen- und Darmstörungen, plötzliche Müdigkeitsanfälle, Schluckstörungen). Wieder habe ich auf meine bewährten Mittel zurückgegriffen. Kortison habe ich verweigert, von einer Behandlung mit Interferonen (der ich mich ohnehin nicht unterzogen hätte) haben aufgrund des bisherigen gutartigen Krankheitsverlaufs sogar Fachärzte abgeraten. Seither haben sich die Symptome nicht mehr wirklich zurückgebildet.
Manchmal habe ich das Gefühl, dass ein Gespenst durch meinen Körper spukt und mal hier mal dort böswillig das Licht ausknipst, denn es sind nicht ständig alle Symptome vorhanden, sondern sie wechseln einander ab, sind mal stärker, mal schwächer. Immerhin hat sich mein Zustand aber auch nicht weiter verschlechtert.
Ich will nicht den Unmut all jener auf mich ziehen, deren Krankheitsverlauf viel schlimmer ist als meiner, wenn ich empfehle, das Immunsystem auf natürliche Weise zu stärken statt es durch schwere Medikamente immer stärker zu belasten. Aber ich denke, dass es viele Fälle gibt, die meinem ähneln, und an jene möchte ich appellieren: Laßt Euch nicht durch Horrorgeschichten den Mut nehmen, vertraut auf Eure eigenen Kräfte, versucht es mit Homöopathie, vermeidet beruflichen und privaten Stress, laßt Dinge und Menschen hinter Euch, die Euch belasten, setzt Euch mit Euch selbst auseinander. Auch ich habe Momente, in denen ich traurig oder verzweifelt bin, weil ich vieles nicht mehr tun kann und wahrscheinlich nie mehr tun werde können, was mir früher große Freude gemacht hat.
Manchmal habe ich auch Angst, dass ich die Krankheit an meine Kinder vererbt haben könnte oder dass ich für meine Familie zur Belastung werden könnte, falls ich mich zum Pflegefall entwickle. Natürlich hat es keinen Sinn, solche Ängste und Sorgen vollständig zu verdrängen, aber es hat erst recht keinen Sinn, sich ständig mit Eventualitäten zu belasten. Und eines ist sicher: man kann auch als Behinderter ein glückliches Leben führen.
| Haftungsausschluss |
|
© 2000 - 2010   mb ( http://www.muskl.de ) |