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Man muss gut sein und das übrige erwarten (Kant)


Ich finde meistens eine Lösung / Bettina

Ich habe gerade den Beitrag von "Susi" mit dem Zeitungsartikel gelesen. Ich habe seit 1987 die Diagnose MS, seit 1999 im Rollstuhl. Der Mann spielte auch nicht mit und ich saß ebenso mit zwei Kindern (Jungs) alleine da. Ich hatte die Scheidung eingereicht, habe trotz der Erkrankung noch bis zum Jahr 2000 gearbeitet, nachdem ich Umschulung und Fortbildung hinter mich gebracht hatte. Habe auch gegen Ämter und später sogar gegen das Unverständnis meiner Familie gekämpft und habe dann zugesehen, dass ich alle Vorteile, die mir als Behinderter zustehen auch bekomme. Ich bin, ebenso wie meine Söhne in dieser Zeit stark und selbstbewußt geworden.

Leider ist die Liebe und Partnersuche dabei auf der Strecke geblieben, denn die Psyche hatte dann doch ziemlich gelitten. Soweit, dass ich im Jahr 2000 die Rente aus psychischer Überlastung, die sich körperlich auswirkte, einreichen musste. Nun habe ich Zeit mich auf mich selbst, meine Bedürfnisse und meinen 15jährigen Sohn zu konzentrieren. Der ältere, (21 Jahre) steht gerade im Abiturstress und wohnt schon alleine in einem Zimmerchen, dass wir vom Sozialamt auf Grund der beengten Verhältnisse und der daraus resultierenden Spannungen bekommen haben. Es geht uns seit einem Jahr besser, obwohl meine MS fortschreitet (chronisch progredient), die Rente so mickerig ausgefallen ist, dass ich noch Sozialhilfe dazu bekommen muss, aber ich habe trotzdem bei der Bank einen Dispositionskredit bekommen, weil ich gelernt habe zu argumentieren und freundlich für meine Begehren einzutreten.

Bis zum Dezember letzten Jahres war ich noch auf jeder Demonstration, habe selber eine gegen die Gesundheitsreform auf die Beine gestellt, bin mit dem Behindertenbeauftragten von S-H wegen eines Projekts "Hausgemeinschaften für Menschen mit und ohne Behinderungen" im Gespräch und habe dann im Januar 2004 mal wieder einen Schub bekommen, weil ich mir zuviel zugemutet hatte. Nun lebe ich ruhiger, will mich wieder mehr mit der Malerei und der Musik widmen und schreibe ausserdem an meiner Lebensgeschichte. Das was ich hier geschrieben habe ist nur ein ganz kleiner Ausschnitt. Ich hatte noch ein anstrengendes Leben vor der Zeit der MS. Und dann will ich erstmal ganz sachte zur Ruhe kommen.

Das Leben macht Spaß und ich will es nicht missen. Ich bin inzwischen 48 Jahre jung und habe vor 86 Jahre alt zu werden. Meine Hände sind soweit in Ordnung. Den PC habe ich durch meine letzte Arbeitsstelle vom Arbeitsamt bekommen. Davor durch eine andere Arbeitsstelle ein Faxgerät und den Kombi, weil ich ohne Auto mit einem Rollstuhl nicht zur Arbeit gekommen wäre. So! Und davon und von meinen Erfahrungen und dem Wissen, dass ich in der Zeit gesammelt habe, auch im Bereich Pädagogig und Psychologie profitiere ich heute. Ich kann inzwischen die Menschen so sein lassen, wie sie sind, es sei denn sie schaden mir, dann sehe ich zu, dass ich diese meide.

Ich bin gespannt, was ich morgen erleben werde. Es hat sich etwas verändert. Denn heute freue ich mich auf jeden neuen Tag. Auch wenn mein 15jähriger Bluthochdruck und noch ein paar kleine Leiden hat. Er wird damit leben können. Und das hat sogar er schon verinnerlicht. Also, gruß an Susi. Sie Zeit des fiesen Kämpfens geht auch vorüber. Sie muss es nur realisieren, wenn es soweit ist und sich darüber freuen. Gegen meine MS kämpfe ich nicht mehr, ich lebe mit ihr, ärgere mich manchmal ein bisschen und finde meistens eine Lösung, dass es mir wieder gut geht. Und wenn es mir gut geht, geht es auch meinen Söhnen gut. Also viel Glück weiterhin.

Bettina

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