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Man muss die Ämter mit Leuten und nicht die Leute mit Ämtern versehen


MS und diskriminierende Verkehrsgesetze

Hallo zusammen,

wie sieht es aus - ist eigentlich irgendwer (VDK/DMSG) dabei für eine Gesetzesänderung zu kämpfen? MS zu haben reicht mir eigentlich vollkommen aus, aber zusätzlich habe ich noch die Belastung, dass mein Verhalten durch die bestehenden Gesetze kriminalisiert wird und lebe mit der Angst entdeckt zu werden.

Ich habe MS und bin im Grunde vogelfrei, d.h. jeder Mitbürger kann mich nach seinem Gutdünken beim Verkehrsamt melden und mich damit zur Fahreignungsprüfung bestellen. Das heißt dann, dass JEMAND bestimmt, OB ich fahrtüchtig bin, mit welcher Fahrerleichterung ich seiner Meinung nach ab jetzt und nur noch fahren darf und wann ich zur nächsten Fahrtestung bestellt werde und zur nächsten und zur nächsten...

Solltet Ihr damit gute Erfahrung gemacht haben, ist das mehr als schön, aber leider gibt es auch andere Sachbearbeiter und es liegt in deren Ermessen, wie sie entscheiden! Hier in meinem Städtchen sitzt jedenfalls einer, der es nicht sonderlich gut mit einem MS-Kollegen gemeint hat. Der muss jetzt jedes Jahr zur Testung (bei mir wäre allein durch diesen Termin der nächsten Schub vorprogrammiert). Und selbstverständlich gehen alle Gutachten - auf seine finanziellen und nervlichen Kosten!

Ich kann Autofahren, fahre inzwischen einen Automatikwagen mit eingebautem Tempomat - vorsichtshalber und auf eigene Kosten! Ebenfalls möchte ich vorsichtshalber beim nächsten Autokauf weitere Möglichkeiten (Handgas und Lenkradknauf) einbauen lassen, um nicht mit müden Beinen, sondern mit meinen Armen fahren zu können, wenn ich es brauche. Das ist allerdings total strafbar, weil den dann notwendigen Lenkradknauf nur der benutzen darf, der im Führerschein den Eintrag hat (=Fahreignungsprüfung ;-) ), dass er damit fahren muss!

Außerdem! Mein E-Rolli fährt schneller als 6km/h und hat mir damit schon mehrfach mein Leben gerettet, z.B.: als mich ein Autofahrer beim Fahren aus seiner Ausfahrt übersehen hat und ich noch "Gas geben konnte", oder als ich wegen zugeparkter Gehwege, auf die Straße mußte und da ebenfalls übersehen wurde. Ohne dann Gas gegeben zu haben, wär' ich nicht mehr oder jdf. "anders". Und einmal reicht! Jedenfalls ist laut Gesetz, was ich auch in diesem Fall tue, kriminell!

Ich halte mein Verhalten allerdings nicht für kriminell. Ich kann es gut verantworten zu fahren, wenn ich dazu in der Lage bin oder mit meinem E-Rolli 6 km/h zu fahren, wenn ich nicht in Gefahr bin und mich anderenfalls, wie ein Fußgänger auch, mit mehr Tempo in Sicherheit zu bringen. Jeder mündige Bürger muß sich verantwortungsvoll jederzeit neu entscheiden zu fahren oder nicht. Er muß sich selbst fragen, ob er im Augenblick in der Lage ist, ein Fahrzeug zu fahren oder nicht. Das heißt, hat jemand die Nacht schlecht/nicht geschlafen, hat jemand Knie-/Schulter-/Rückenschmerzen, gerade einen Streit gehabt, ist Erkältet, hat´eine laufende Nase oder hustet stark, alles beeinträchtigt die Fahrtüchtigkeit (Bewegungsfreiheit, Aufmerksamkeit...) und kein Gesetz verbietet hier das Fahren - es überläßt es jedem verantwortungsbewußt, selbst zu entscheiden.

Es wäre allerdings auch nicht leicht, so etwas zu überprüfen. Aber WIR haben es schwarz auf weiß - wir haben MS! Das ist scheinbar dasselbe wie Unmündigkeit und daher entscheiden ab jetzt andere, nicht in jedem Augenblick neu, sondern im Rhythmus des Gutachters, ob oder wie ich fahren darf und wann er sich die Sache wieder neu überlegen will. Sollte ich entmündigt sein, kann ich mich gegen diese Bevormundung nicht wehren, aber zu einer Entmündigung gehören andere Bedingungen als MS zu haben, denke ich. Es werden jedenfalls z.Zt. andere Maßstäbe der Verkehrsgesetze auf uns angewendet und ich halte das für diskriminierend! Und ich meine - DAS ist strafbar!

Viele Grüße!


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