Die Multiple Sklerose (MS), auch Enzephalomyelitis disseminata (ED) genannt, ist eine entzündliche Erkrankung des Nervensystems (Autoimmunerkrankung), die an vielen Stellen (multiple=vielfach) auftreten kann. Durch die Entzündungen entstehem Narben (Sklerose=sklerotisiert). Die Entzündung findet an den Nervenfasern im Gehirn und Rückenmark statt, an der Nervenhülle (Markscheiden, Myelin) die sie umgibt. Die sich bei einem Schub bildenden Entzündungsherde nennt man auch Entmarkungsherde/Plaque.
Symptome der MS treten auf als Augensymptome (z.B. Sehnerventzündung, Doppelbilder, Augenzittern (Nystagmus) usw.), Befall des Hirnstamms (z.B. Berührungsempfindlichkeit, Gesichtslähmung, Sprechstörungen (z.B. Dysarthrie), Schmerzattacken usw.), Befall des Kleinhirns (Koordinationsstörungen, Zittern, unsicherer Gang, abgehackte Sprache, Aphasie usw.), Befall des Rückenmarks (z.B. Kribbeln, Taubheitsgefühl, Spannungsgefühl, Spastik, Gehstörungen, Ataxie, Blasen- und Darmstörungen usw.), Psychische Beeinträchtigungen (Trauer, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit, Euphorie, rasches Ermüden, vorzeitige Erschöpfung, individuelle Belastbarkeit usw.), Schmerzen (Mißempfindungen, Brennen, Kältegefühl, Nervenschmerzen / neuropathische Schmerzen usw.).
Um die Multiple Sklerose zu diagnostizieren, ist eine Fülle von Untersuchungen nötig: Frühdiagnostik (z.B. Demyelisierung und axonale Schäden, Läsionen im Früstadium, Lhermitte-Zeichen usw.), klinische Untersuchung (z.B. Laboruntersuchungen, Lähmungen der Reflexe, Gleichgewicht, Koordination, Tremor, Klonus, Tonus, Muskelspannung, Differentialdiagnose, Elektroencephalographie (EEG)), Kernspintomographie (MRT/MRI), Nervenwasseruntersuchung / Lumbalpunktion (Liquor-untersuchung), Evozierte Potenziale/Schädigungen an den Nervenleitungen (EVP).
Für die Behandlung der Multiple Sklerose gibt es eine Reihe von Möglichkeiten. Zu den bekannteren Medikamenten gehören: Kortison, Immunsuppressiva, Interferon, Glatimeracetat (Copaxone), Mitoxantron und Immunglobuline. Zur ergänzenden Behandlung gibt es: z.B. Krankengymnastik/Physiotherapie, Ergotherapie, Ernährungsrichtlinien/Diäten, Psychotherapie, Enzyme, Weihrauch, Selen, Magnesium, Cannabis, Apitherapie/Bienengift und eine Vielzahl an Aussenseitermethoden.
Folgen der MS können sein: z.B. Entzündungen der Harnwege (Blaseninfekt), Inkontinenz, Obstipation (Stuhlverstopfung), Druckgeschwüre / Dekubitus, Bronchitis, Lungenentzündung, Thrombose, Depressionen, Psychosoziale Probleme (z.B. Angst, Identitätsprobleme, familiere Probleme, Sexualität, Schwangerschaft), Sprachstörungen, MS-Fatigue (Müdigkeit bei MS), Schmerzen (Neuralgie, Trigeminusneuralgie), Neurodermie (Veränderung der Haut, der Nägel, der Haare, der Schweiß- und Talgdrüsen), Teillähmungen (Parese), vollständige Lähmung (Paralyse).
Der Verlauf der MS ist immer ungewiß, weil keine Ursache bekannt ist. Verlaufsformen sind: Gutartiger (benigner) Verlauf, Schubförmiger (rezidivierden-remittierender) Verlauf, Sekundär chronisch-progredienter Verlauf und Primär chronisch-progredienter Verlauf. Es gibt eine Reihe von Ähnlichkeiten in den Verlaufsformen, die zur Vorhersage aufgrund von Statistiken führen.
Die Ursache der MS ist noch nicht geklärt. Fest steht, dass bei einer MS ein Teilbereich des körperlichen Immunsystems falsch programmiert ist, wodurch es sich gegen den eigenen gesunden Körper wendet. Es gibt lt. Statistik in Deutschland etwa 80 Erkrankte pro 100.000 Einwohner, es sind nahezu doppelt so viele Frauen wie Männer betroffen. Es kursieren zahlreiche Fehlinformationen und Vorurteile über die sogenannte Krankheit mit den 1000 Gesichtern. MS ist nicht ansteckend, tödlich und erblich. MS bedeutet auch nicht Muskelschwund oder Geisteskrankheit.
Leben mit der Multiplen Sklerose bedeutet oft einen frühen, massiven Einschnitt in die persönliche Lebensgestaltung. Davon betroffen sind auch die Angehörigen der Erkrankten. Sie und der Betroffene selbst sind oft verunsichert, ob die Krankheit tatsächlich besteht, da einige Symptome nicht sichtbar sind und damit den Mitmenschen schwer vermittelt werden können. Die Krankeit zu erklären ist deshalb ein immerwährender Wunsch des Betroffenen, der aber fortgesetzt mißlingt, weil es keine Erklärung gibt.
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